Altena/Klagenfurt. Die Autorin Lena Schätte aus Altena hat am Freitag beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt ihren neuen Text „Was wir tragen“ vorgestellt. In der Jury kam der Beitrag ausgesprochen gut an.
„Wir finden zueinander, weil wir die dicksten Mädchen der Schule sind.“ Schätte erzählt in „Was wir tragen“ von zwei übergewichtigen Mädchen, die in der Schule ausgegrenzt werden und gerade deshalb eine enge Freundschaft entwickeln. Der Text zeigt ihre gemeinsame Abgrenzung ebenso wie familiäre Konflikte und die belastete Beziehung der Ich-Erzählerin zu ihrer Mutter.
„Existentielle Wucht“ – „Unglaubliche Erzählökonomie“
Die Jury lobte Schättes Beitrag: Thomas Strässle, der Schätte für den Wettbewerb eingeladen hatte, sprach von einer „existentiellen Wucht“ des Textes, ohne Anklage oder Weinerlichkeit. Mithu Sanyal lobte die „unglaubliche Erzählökonomie“ und die Spannung, die der Text konsequent aufbaue. Auch Laura de Weck hob die emotionale Kraft hervor und betonte die besondere Beziehung der beiden Mädchen, die zugleich Schutz und Zuneigung bedeute. Brigitte Schwens-Harrant überzeugte vor allem das konsequent durchgehaltene erzählerische „Wir“, das die Ausgrenzungserfahrung greifbar mache. Philipp Tingler bezeichnete den Text schlicht als „sehr gut“ und hob die Ambivalenz der Figuren hervor, die auch dunkle Seiten zeigten.
In der anschließenden Diskussion herrschte insgesamt große Einigkeit: Zwar sei die Grundkonstellation nicht völlig neu, doch Sprache, Verdichtung und emotionale Präzision überzeugten nahezu die gesamte Jury. Immer wieder wurde betont, wie Schätte ohne Pathos von Scham, Körperlichkeit und familiären Spannungen erzählt und dabei eine große literarische Intensität entfaltet.
Online abstimmen für den Publikumspreis
Neben der Jurywertung spielt beim Bachmann-Preis auch das Publikum eine wichtige Rolle: Der BKS-Bank-Publikumspreis wird direkt von den Zuschauerinnen und Zuschauern vergeben und ist mit 7.000 Euro dotiert. Zusätzlich ist mit dem Publikumspreis seit 2025 die Auszeichnung als Festivalschreiber bzw. Festivalschreiberin des Carinthischen Sommers verbunden, inklusive eines Aufenthaltsstipendiums während des Festivals im Wert von 3.000 Euro. Wer Lena Schätte unterstützen möchte, kann noch bis Samstag (27. Juni) 20.00 Uhr online für sie abstimmen.
Die Preisverleihung zum Ingeborg-Bachmann-Preis findet am Sonntag (28. Juni) um 11:00 Uhr statt. Der Wettbewerb der „Tage der deutschsprachigen Literatur“ wird live im ORF-Theater in Klagenfurt ausgetragen, die Preisverleihung wird im 3sat-Kulturprogramm sowie auf der Bachmannpreis-ORF-Website übertragen.
Bericht folgt



