Altena. Mit Dr. Agnes Zelck verabschieden die Museen der Burg Altena eine Mitarbeiterin, die die Museumsarbeit über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgeprägt hat. Nach fast 35 Jahren geht die wissenschaftliche Mitarbeiterin nun in den wohlverdienten Ruhestand.
„Ich habe gelebt, was ich gemacht habe“, sagt Dr. Agnes Zelck im Gespräch mit LOKALSTIMME, in dem wir gemeinsam auf ihre Arbeit zurückgeblickt haben. Nach ihrem Volontariat an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe trat sie am 1. November 1991 ihre Stelle als Museumspädagogin auf Burg Altena an. Im Laufe der Jahre verlagerte sich ihr Aufgabenbereich jedoch zunehmend in den wissenschaftlichen Bereich. Schließlich übernahm sie die Aufgaben der Kuratorin und prägte insbesondere die inhaltliche Entwicklung zahlreicher Sonderausstellungen. 1997 legte sie wegen der Geburt ihres Kindes eine berufliche Pause ein. Als sie im Jahr 2000 zurückkehrte, wurde ihre bisherige Stelle aufgeteilt: Während Bernadette Lange den museumspädagogischen Bereich übernahm, arbeitete Dr. Zelck fortan als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Teilzeit.
„Die intensive Recherche hat mich besonders fasziniert“
Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehörten die Konzeption und Umsetzung von Sonderausstellungen, aber auch zum Beispiel die Mitarbeit an der multimedialen Weiterentwicklung der Museen. Besonders in Erinnerung bleiben wird Dr. Agnes Zelck ihre Arbeit an den wechselnden Sonderausstellungen. „Die intensive Recherche zu immer neuen Themen hat mich besonders fasziniert. Oft habe ich mich zunächst in völlig unbekannte Themengebiete eingearbeitet – und durch die intensive Auseinandersetzung war ich dann schließlich Feuer und Flamme für diese Themen“, erklärt sie im Gespräch mit LOKALSTIMME ihre Faszination.
Als Beispiel nennt sie die Ausstellung „Bei Tisch – Essen und Trinken in der Frühen Neuzeit“. Während der Vorbereitungen entdeckte sie immer neue Facetten dieses Themas – von nach 1.500 neu aufgekommenen Lebensmitteln über unterschiedliche Besteckformen bis hin zum Thema Hunger, das ebenfalls Teil der Ausstellung wurde. „Alle Seiten zu beleuchten und immer wieder dazuzulernen, das war äußerst bereichernd“, blickt sie dankbar zurück.

In der Sonderausstellung zum Thema Hunde zeigte Dr. Agnes Zelck auch auf, wo die Vierbeiner als Mitarbeiter eingesetzt werden: zum Beispiel als Polizeihund.
Ein weiterer Höhepunkt ihrer Laufbahn war die Ausstellung „Hunde – treue Gefährten des Menschen“. Sie beschäftigte sich dabei nicht nur mit der Vielfalt der Hunderassen, dem Hund als Statussymbol, sondern auch mit dem Thema „Der hund als Mitarbeiter“ sowie den Schattenseiten der Mensch-Hund-Beziehung und dem Leid, das Tiere durch den Menschen erfahren haben und bis heute erfahren. Für die Ausstellung gelang es ihr sogar, ein historisches Hundemausoleum nach Burg Altena zu holen.
Die Arbeit begleitete sie nach Feierabend und auch in den Urlaub
Ihre Begeisterung für die Ausstellungsthemen endete dabei nicht mit Feierabend. Vielmehr begleitete sie ihre Arbeit auch ins Privatleben. Für die Hundeausstellung besuchte Agnes Zelck gemeinsam mit ihrem Mann während eines Urlaubs den weltweit ältesten Tierfriedhof in Paris, um dort Eindrücke zu sammeln und Fotos zu erstellen. Ebenso fotografierte sie die Grabstätten der Hunde Friedrichs des Großen, die den preußischen König sogar über den Tod hinaus begleiteten. Sie fuhr ferner in Urlaub an den Bodensee, um im Zuge der Vorbereitungen zu „Vorhang auf! Marionetten“ Aufführungen der Lindauer Marionettenoper zu besuchen.
Ebenso gerne erinnert sie sich an die Ausstellung „Rauf aufs Rad! Von der Laufmaschine zum E-Bike“, die das Fahrrad aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtete – von seiner technischen Entwicklung, dem Aspekt Frauen auf dem Rad bis hin zu zahlreichen künstlerischen Darstellungen. Es war ihr außerdem ein großes Anliegen, Fakten aus der historischen Entwicklung der Museen in der Stadt an der Lenne zusammenzutragen und sie in Gestalt der aktuellen Ausstellung „Rückblick – 150 Jahre Museumsgeschichte in Altena“ zu präsentieren und als Begleitpublikation zu veröffentlichen.
Vertrauensvolles Miteinander mit dem Team der Burgwerkstatt
Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit war außerdem die Erstellung der Ausstellungskataloge. Dafür recherchierte sie umfangreich, verfasste Texte und suchte passendes Bildmaterial – eine oft aufwendige Aufgabe, die sie jedoch stets mit großer Freude anging. Gerade diese Mischung aus wissenschaftlicher Recherche, Schreiben und Bildredaktion machte für sie den besonderen Reiz ihrer Tätigkeit aus.
Mit großer Dankbarkeit blickt sie auch auf die enge Zusammenarbeit mit dem Werkstatt-Team zurück. Besonders mit Andreas Gerstendorf arbeitete sie über viele Jahre Hand in Hand an den Sonderausstellungen. Gemeinsam wurde überlegt, welche Vitrinen benötigt werden, wo Exponate am besten zur Geltung kommen und wie sich die Räume optimal gestalten lassen. Aus vielen Ideen entwickelte sich Schritt für Schritt ein stimmiges Gesamtkonzept. Genau dieser kreative Prozess und das vertrauensvolle Miteinander werden der 66-Jährigen im Ruhestand besonders fehlen. Worauf sie hingegen gut verzichten kann, ist der enorme Zeitdruck kurz vor jeder Ausstellungseröffnung. Denn am Tag X musste alles perfekt sein. Dass am Ende jedes Detail stimmte, war das Ergebnis monatelanger Vorbereitung und eines eingespielten Teams. „Dieser Druck ist mir wirklich wie ein Stein vom Herzen gefallen“, beschreibt Agnes Zelck ihr Gefühl. So erfüllend die Arbeit gewesen sei – die Verantwortung und der Termindruck seien oft auch eine große Belastung gewesen.
Was Agnes Zelck an ihrer Arbeit insgesamt am meisten geschätzt hat, war das Recherchieren und der Austausch mit Menschen. Gespräche mit Fachleuten, Zeitzeugen, Künstlern, Sammlern und Leihgebern eröffneten ihr immer wieder neue Perspektiven. Hinter jedem Ausstellungsthema verbargen sich Geschichten, die entdeckt werden wollten – und genau diese Neugier hat sie fast 35 Jahre lang an den Museen der Burg Altena angetrieben.

Dr. Agnes Zelck prägte die Museumsarbeit in Altena entscheidend mit und wird vielen mit ihrer sympathischen Art in bester Erinnerung bleiben. Foto: Ilka Kremer
Die 66-Jährige hat sich für den Ruhestand viel vorgenommen
Langweilig wird ihr im Ruhestand allerdings ganz sicher nicht. Die 66-Jährige, die inzwischen in Köln lebt und regulär in den Ruhestand gegangen ist, hat viele Pläne. Sie möchte sich endlich Zeit für Dinge nehmen, die bislang oft zu kurz kamen. Dazu gehört vor allem das Lesen – allerdings nicht mehr ausschließlich Fachliteratur, sondern Literatur, etwa von Martin Suter oder Carmen Korn. Außerdem geht sie gerne ins Kino, besucht Museen und klassische Konzerte. Ein weiteres Hobby begleitet Dr. Agnes Zelck schon seit vielen Jahren: Sie spielt Altblockflöte und möchte diesem Hobby künftig ebenfalls mehr Zeit widmen.
Gleichzeitig ist es ihr wichtig, sich auch weiterhin gesellschaftlich zu engagieren. Schon heute führt sie Hunde aus einem Tierheim aus und hat selbst einer älteren Tierheimhündin ein neues Zuhause gegeben. Darüber hinaus arbeitet sie in der Verwaltung eines Mietshauses mit Sozialwohnungen mit. Künftig könnte sie sich außerdem vorstellen, Kindern in Schulen oder Bibliotheken vorzulesen oder sich als „Grüne Dame“ ehrenamtlich in einem Krankenhaus zu engagieren.
„Ich kann mir nicht vorstellen, nur zu Hause zu sitzen. Das ist nicht mein Ding“, sagt sie mit einem Lächeln. Dass sie ihre berufliche Laufbahn mit 66 Jahren beendet, empfindet sie dabei keineswegs als Abschied vom aktiven Leben. Ganz im Gegenteil: Für Agnes Zelck trifft eine bekannte Liedzeile von Udo Jürgens den Nagel auf den Kopf. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an.“



