Altena/Märkischer Kreis. Die inzwischen fast 115 Jahre alten Bauzeichnungen vom Wiederaufbau der Burg Altena sind jetzt mit Unterstützung des Vereins „Freunde der Burg Altena“ restauriert worden. Am Freitag (06. November) präsentierten die Museen und der Verein die Exponate nach der Frischzellenkur.
Es war ein erbitterter Streit über zwei völlig unterschiedlicher Vorstellungen, der dem Wiederaufbau der Burg Altena Anfang des vergangenen Jahrhunderts vorausging und der beinahe in einem Pistolen-Duell am Lenneufer gipfelte. Am Ende entschied Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich über den Wiederaufbau.
Raum 12 der Museen auf Burg Altena zeigt den „Traum vom Mittelalter“ – und dokumentiert den Streit darüber, ob die Reste der mittelalterlichen Anlage hoch oben über dem Lennetal praktisch nur konserviert werden sollten, oder ob auf dem Grundriss als Wiederaufbau eine Burg im idealtypischen Stil einer mittelalterlichen Festung entstehen soll. Kaiser Wilhelm II. entschied schließlich 1907. Natürlich zu Gunsten des Idealbilds einer stattlichen Festung.
Die großformatigen Baupläne, insgesamt fünf Stück, sind jetzt, nach einjähriger Restaurationszeit, zurück im Raum 12. Mit 13.000 Euro aus einer Spendenaktion haben die „Freunde der Burg Altena“ die Gesamtkosten der Restaurierung übernommen. „Aus dem eigenen Etat hätten wir das nicht bezahlen können“, stellte der Direktor der Museen, Stephan Sensen, am Freitag die Bedeutung heraus.

Die fünf großformatigen Grafiken ergänzen die Ausstellung mit den Burgmodellen zum Wiederaufbau Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Foto: Carsten Menzel
Aus Anlass ihres 150-jährigen Bestehens hatten die „Freunde der Burg Altena“ im vergangenen Jahr die Spendenaktion aufgelegt. „Die Einnahmen aus dem Benefizkonzert im November 2025 sind in das Projekt geflossen“, blickte Bernd Falz, Vorsitzender der „Freunde der Burg Altena“, zurück.
Die Demontage der Rahmen war Schwerstarbeit
Wie dringend die Pläne restauriert werden mussten, hatte sich bereits 2016 bei einer Begutachtung des gesamten Grafikbestands der Museen gezeigt. Burg-Restaurator Holger Lüders berichtete von Staubablagerungen, aber auch von „Verbraunungen“ und Wellen in den Grafiken. Nachdem die „Freunde der Burg Altena“ im vergangenen Jahr ihre Unterstützung zugesagt hatten, konnten die Museen die Restaurierung in Auftrag geben.
Zunächst war jedoch Schwerstarbeit für die Museumsmitarbeiter nötig. Die hinter UV-Schutzglas gerahmten großformatigen Zeichnungen wiegen „bis zu 40 Kilogramm“, erklärte Museumsleiter Stephan Sensen. Die Pläne in den Rahmen aus den Befestigungen zu lösen und oberhalb von Vitrinen sicher von der Wand abzunehmen, war ein Kraftakt.

Bis zu 40 Kilogramm wiegen die hinter UV-Schutzglas gerahmten, großformatigen Bauzeichnungen. Foto: Carsten Menzel
Die Restaurierung übernahm Philipp Kochendörfer vom Atelier für Papierrestaurierung Ferlmann in Köln. Für den Diplom-Restaurator war es eine „kleinteilige Präzisionsarbeit“. Mit einem Feinstrahlgerät entfernte er Staub und Mikroorganismen. Zudem reduzierte er vorsichtig die Schmutzränder und löste die alte Fixierung mit Selbstklebeband.
Ausbesserungen mit Japanpapier und Reisstärke
Nun sind die Zeichnungen auf „säurefreiem Karton mit einem alterungsbeständigem Kleber“ befestigt, erläuterte Museumsrestaurator Holger Lüders. Risse und Fehlstellen wurden mit Japanpapier und Reisstärke hinterlegt. Bevor die Grafiken wieder in ihre Rahmen kamen, wurden die einzelnen Blätter in einer Klimakammer befeuchtet und geglättet. Die abschließende Montage erfolgte wieder auf der Burg.
„Die fünf aufwendig gestalteten Architekturzeichnungen ragen aus dem Bestand von mehr als 400 originalen Plänen für den Wiederaufbau der Burg Altena heraus und ergänzen nun wieder die beiden Burgmodelle, die den baulichen Zustand vor und nach dem Wiederaufbau zeigen“, ordnet der Märkische Kreis als heutiger Burgherr die Ausstellungstücke, ihre Bedeutung und die Restauration ein.

Auf den Fotos der Bauzeichnungen vor der Restauration waren die Beschädigungen, wie Wellen und Falten, zu erkennen. Foto: Carsten Menzel
Dorothee Ossenberg-Engels, Beisitzerin im Vorstand der „Freunde der Burg Altena“ und als Architektin vom Fach, zeigte sich von der Präzision und den Details der fast 115 Jahre alten Bauzeichnungen beeindruckt. Der Verein erwägt nun, die digitalisierten Pläne online einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Besucherinnen und Besucher können die frisch restaurierten Zeichnungen bereits in Raum 12 der Museen auf Burg Altena sehen.



