Beim Vogelschießen am Samstagnachmittag wurde in Dahle ein neuer Schützenkönig ermittelt.
Fotos: Ilka Kremer
Altena. Björn Kullik ist neuer Schützenkönig in Dahle. Mit dem 121. Schuss der insgesamt fünf Königsanwärter holte er am Samstagnachmittag den Vogel von der Stange.
Nach einem langen und spannenden Königsschießen hat der Dahler Schützenverein einen neuen Regenten. Björn Kullik setzte sich am Samstag beim Wettkampf um die Königswürde durch und sicherte sich den entscheidenden Treffer auf den Schützenadler. Zur Königin erkor er seine Ehefrau Janet. Bei hochsommerlichen Temperaturen verfolgten zahlreiche Schützen mit Familien und Freunden das Geschehen rund um den Schießstand, wo Geduld, Treffsicherheit und Ausdauer gefragt waren.
Für beste Unterhaltung auf dem Festplatz sorgten während des gesamten Tages das Tambourcorps Dahle und der Musikzug Versetal. Die Musiker begleiteten das Geschehen rund um den Schießstand und sorgten für die passende Atmosphäre.
Eigens kreierte Stimmungslieder aus der mobilen Box
Doch auch die Schützen selbst hatten für zusätzliche Unterhaltung gesorgt. Mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz waren eigens produzierte Vereinslieder entstanden, die immer mal wieder über einen mobilen Lautsprecher abgespielt wurden. Präsentiert wurden einige davon von Moderator René Wenzel, der an diesem Tag scherzhaft als „DJ Böllerschütze Peng“ auftrat. Besonders das Lied über den Böllerzug sowie das eigens produzierte „Manuel-Bußmann-Lied“ sorgten bei den Besuchern immer wieder für großen Spaß.
Jana Wilke schießt die Krone ab
Pünktlich um 11 Uhr begann das traditionelle Königsschießen. Bereits nach knapp einer halben Stunde durfte sich Jana Wilke über den ersten Erfolg des Tages freuen. Um 11.29 Uhr schoss sie mit dem 76. Schuss die Krone von der Vogelstange.
Dass ausgerechnet Jana Wilke die erste Insignie errang, sorgte für besondere Freude im Verein. Die junge Schützin ist die Tochter des ersten Vorsitzenden Tobias Wilke. Schützenblut scheint bei den Wilkes tatsächlich in der Familie zu liegen: Mutter Sandra hat die Krone bereits zweimal abgeschossen, und Vater Tobias regierte den Verein 2005 als Schützenkönig.
Frauen dürfen beim Dahler Schützenverein selbstverständlich auch auf den Adler schießen
Jana selbst bezeichnete ihren Erfolg als Glückssache. Ihr Vater sah das naturgemäß etwas anders. Das Schießen liege seiner Tochter im Blut, meinte er schmunzelnd. Schließlich habe schon ihre Mutter mehrfach ihre Treffsicherheit unter Beweis gestellt.
Beim Dahler Schützenverein ist es selbstverständlich, dass die Frauen am Königsschießen teilnehmen und viele machen davon seit Jahren sehr gerne Gebrauch.
Wie bei allen erfolgreichen Schützen an diesem Tag wurde auch Jana Wilke gebührend gefeiert. Jeder Treffer auf eine Insignie wurde mit einem Böllerschuss gewürdigt. Deswegen hieß es für das Publikum jedes Mal: „Bitte die Ohren zuhalten“.
Anschließend begleiteten grün-weiße Rauchbomben die erfolgreichen Schützen vom Schießstand zurück zum wartenden Schützenvolk. Die Rauchbomben sorgten für eindrucksvolle Bilder, kamen jedoch nicht bei jedem gut an, besonders die Musikerinnen und Musiker empfanden den Qual als unangenehm.
Die nächste Insignie fiel um 12 Uhr. Kilian Grotensohn vom Böllerzug holte sich den Apfel. Bis zu diesem Zeitpunkt waren insgesamt bereits 246 Schüsse mit dem Kleinkalibergewehr auf den Vogel abgegeben worden. Nur wenig später folgte die dritte Insignie des Tages. Um 12.32 Uhr sicherte sich Dominic Molitor das Zepter.
Am frühen Nachmittag rückte dann der linke Flügel in den Fokus. Hier war erneut Kilian Grotensohn erfolgreich. Um 13.34 Uhr holte er auch diese Insignie von der Stange und bewies damit eindrucksvoll seine Treffsicherheit.
Neuzugang Philip Bösch holt sich den rechten Flügel
Für die nächste Überraschung sorgte anschließend ein Vereins-Neuling. Den rechten Flügel sicherte sich Philipp Bösch, der erst vor kurzer Zeit von Iserlohn nach Dahle gezogen war. Und erst am Dienstag (16. Juni) war er dem Schützenverein beigetreten.
„Ein Bier und ’ne Wurst, und schon war ich im Verein“
Für Bösch war es insgesamt sein sechster Schuss auf den Vogel. Umso größer war die Freude über den Erfolg. Im Gespräch mit LOKALSTIMME erklärte er: „Bei einem Spaziergang mit meinem Hund bin ich auf feiernde Schützen getroffen. Es gab ein Bier und eine Wurst und sogar mein Hund bekam eine Wurst. Und schon war ich drin, im Verein“.
Sechs Männer wollen mehr oder weniger die Königswürde
Nachdem mit Krone, Apfel, Zepter sowie beiden Flügeln sämtliche Insignien gefallen waren, richteten sich die Blicke auf den eigentlichen Höhepunkt des Tages – das Königsschießen. Zunächst mussten jedoch die letzten Vorbereitungen getroffen werden. Die abgeschossenen Teile wurden eingesammelt, am Schießstand alles für die entscheidende Phase vorbereitet und die möglichen Königsanwärter zusammengerufen.
Dafür traten Hauptmann Manuel Bußmann und der erste Vorsitzende Tobias Wilke vor die versammelte Menge. Zunächst verlief die Suche nach Bewerbern etwas zäh. Als Erster meldete sich schließlich Joshua Eckert. Kurz darauf folgten mit Björn Kullik und Lukas Kremer zwei Schützen aus dem Böllerzug. Doch das reichte Wilke und Bußmann noch nicht: Sie überredeten schließlich Kai Schümann und René Wenzel, sich als Königsanwärter einzureihen.
Flintenlaufgeschosse für den Korpus des Adlers
Nun wurde nicht mehr mit Kleinkaliber auf die verbliebenen Teile des Vogels geschossen. Für das Königsschießen kamen sogenannte Flintenlaufgeschosse zum Einsatz, im Schützenwesen besser bekannt als „Slugs“ oder auch „Königspatronen“. Die deutlich stärkere Munition sollte schließlich den gesamten verbliebenen Vogelkörper von der Stange holen und die Entscheidung herbeiführen.
Das Königsschießen zog sich hin – auch, weil die Königsanwärter zwischendurch eine Schießpause brauchten. Wegen der hohen Temperaturen im Schießstand mussten sie zunächst erfrischende Getränke zu sich nehmen, Derweil ging das Wasser im Getränkewagen aus. Damit nämlich alle Besucher und Teilnehmer ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen konnten, wurde Wasser kostenlos ausgegeben. Der Andrang war allerdings so groß, dass die Vorräte nachgefüllt werden mussten.
Rest vom Schützenadler harrte lange an der Stange aus
Dann, zahlreiche Schüsse später, fiel der große Hauptkörper von der Stange. Schon brandete Jubel auf, viele Zuschauer glaubten an die Entscheidung. Doch der Jubel verstummte schnell wieder. Ein hartnäckiges Reststück hing weiterhin an der Stange und weigerte sich beharrlich herunterzufallen.
Zum Ende hin war es ein zäher Wettkampf. Es wurde geschossen und geschossen und geschossen. Nach jedem Treffer richteten sich die Blicke gespannt nach oben. Doch immer wieder blieb das verbliebene Stück hängen. Die Zuschauer warteten und warteten und warteten auf den entscheidenden Moment.
Schließlich setzte sich Björn Kullik durch und holte auch das letzte Stück Adler von der Stange. Unter großem Jubel stand damit der neue Schützenkönig von Dahle fest. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Janet wird er nun die Regentschaft für zwei Jahre lang übernehmen. „Wir freuen uns drauf“, versicherte das neue Königspaar.


















































































