Altena/Lüdenscheid. Der Mann (29) aus Altena, den die Polizei verhaftet hat, weil er drei Streifenwagen angezündet haben soll: Er hasst Angela Merkel, er hasst das System und er liebt die AfD. Neue Erkenntnisse der Ermittler aus Hagen und dem Märkischen Kreis, die durch ihren raschen Zugriff offenbar den nächsten geplanten Brand-Anschlag verhindern konnten.

Ein schlammgrauer Kapuzenpulli wurde zu seinem auffälligsten Erkennungszeichen: B. trug ihn bereits seit mehreren Tagen. Als am vergangenen Freitag (30. Juli) in der Tiefgarage des Stapel-Centers in Altena kurz nach 12.30 Uhr zwei Polizeiautos ausbrannten, sahen Zeugen den wahrscheinlichen Täter mit grauem Kapuzenpulli. Als einen Tag später gegen 10.30 Uhr ein weiterer Streifenwagen vor der Polizeiwache Altena an der Marktstraße in Brand gesetzt wurde, war wieder ein Mann im grauen Kapuzenpulli am Tatort. Wenige Stunden später warteten Zivilfahnder, nur einen guten Kilometer von der Wache entfernt, vor der Wohnanschrift des Tatverdächtigen: Dort tauchte ein Mann im grauen Kapuzenpulli auf, lief den Beamten direkt in die Arme. Festnahme.

Das eher unauffällige Textilstück, dass laut Staatsanwalt Jörn Kleimann (Hagen) sichergestellt wurde und inzwischen dem Landeskriminalamt zur chemischen Analyse auf Rauchpartikel vorliegt, ist nur ein Puzzleteilchen von mehreren. Zum Gesamtbild zusammengefügt, könnte B. als Brandstifter überführt werden. Denn der Rucksack, den er bei seiner Festnahme bei sich trug, war gut gefüllt mit Grillanzündern und Brandbeschleunigern. Ein weiteres Puzzleteil. Und dann waren da noch die üblen Gewaltfantasien gegen weibliche Polizistinnen, die auf dem Handy des Tatverdächtigen gefunden wurden. Noch ein Puzzleteil.

Der Beschuldigte streitet die Taten bislang ab. Doch er ist gerichtsbekannt, vorbestraft wegen Rauschgiftdelikten und Widerstands, saß auch schon hinter Gittern. Seit er vor einigen Jahren von Aschaffenburg nach Altena zog, ist er der örtlichen Polizei immer wieder negativ aufgefallen — auch wegen seiner Nähe in die Drogenszene. Aber einen konkreten Anlass, aus möglicher Wut oder Verärgerung drei Streifenwagen anzuzünden und einen Schaden von weit über 100.000 Euro anzurichten, ist bislang nicht erkennbar. Die Staatsschutz-Abteilung der Polizei Hagen hat eine Ermittlungskommission gegründet.

Tatmotiv? Womöglich der schiere Hass auf die Gesellschaft. Ein Blick auf das Facebook-Profil des Verdächtigen gibt Einblicke in seine Abgründe: „Fick auf die Welt“ steht dort in großen Buchstaben. Mit Sonnenbrille und mit pomadig-gegeltem Scheitel posiert B. auf Fotos öffentlich als Verächter des Systems: mal lässig mit Kippe im Mund, mal provokativ mit Stinkefinger. Er liebt die Musik der „Böhse Onkelz“. Aus seiner Verachtung gegen Angela Merkel macht er keinen Hehl. Mehrere Internet-Seiten der AfD bekommen hingegen sein „gefällt mir“: AfD-Kompakt, AfD im Bundestag, AfD im EU-Parlament und die AfD-Politikerin Alice Weidel.

Nach seiner Festnahme macht B. auf der Polizeiwache Altena noch Randale. Als er der jungen Haftrichterin beim Amtsgericht Lüdenscheid vorgeführt wird, diese einen Haftbefehl wegen Brandstiftung erlässt und mit Wiederholungsgefahr begründet, zeigt sich der radikalisierte Beschuldigte von seiner unangenehmen Seite: Er spuckt der Richterin direkt auf den Tisch.

Der Autor: Helmut Ullrich ist seit 32 Jahren Gerichtsberichterstatter in Hagen. Er betreibt die „Blaulicht Hagen Community“.

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