Neuenrade/Märkischer Kreis. Zentrale Teile eines metallverarbeitenden Betriebs in Neuenrade sind am Samstag (17. Oktober) bei einem Großbrand zerstört worden. Jetzt gibt es erste Hinweise auf die Brandursache und auf die Schadenshöhe.

+++ UPDATE 27. Oktober +++:

Wie die Polizei in einer Pressemitteilung bekannt gibt, haben Brandsachverständige in den vergangenen Tagen den Brandort begutachtet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit soll ein technischer Defekt an einem Galvanik-Becken die Brandursache sein, so das vorläufige Zwischenergebnis der Ermittler.

Der entstandene Sachschaden beläuft sich nach vorläufigen Schätzungen auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

+++ Erstmeldung, 18. Oktober: +++

Die Feuerwehr ist mit Einheiten aus mehreren Städten des Märkischen Kreises und mehr als 250 Einsatzkräften vor Ort gewesen, um das Feuer zu löschen; die Löscharbeiten dauerten in der Nacht an. Anwohner wurden vor giftigem Rauch gewarnt. Verletzte gibt es aber wohl keine.

Die umfangreichen Löscharbeiten dauerten bis in die Nacht zu Sonntag (18. Oktober); erst in der Nacht galt das Feuer als gelöscht. Besonders aufwändig: Das Löschwasser, das mit giftigen Stoffen aus der Produktion verunreinigt war und einen grünlichen Farbton hatte, musste aufgefangen und durch mehrere Spezialfirmen entsorgt werden. Allein ein Iserlohner Entsorger war mit mindestens fünf Lkw, die je 20.000 Liter Flüssigkeit aufnehmen können, im Einsatz. Das kontaminierte Löschwasser, was in die Kanalisation gelangte, musste aus einem nahegelegen Regenrückhaltebecken abgepumpt werden. Für einen reibungslosen Abtransport sperrte die Polizei jeweils kurzzeitig die Höllmecke, damit die Laster gegen die momentane Einbahnstraße zur Bundesstraße fahren konnten. Zusätzlich wurden drei mobile Sammelbehälter mit je 70.000 Liter Fassungsvermögen zur Einsatzstelle gebracht.

Nach Informationen der Polizei ist das Feuer, das sich zu einem Großbrand entwickelte, am Samstag gegen 16.40 Uhr ausgebrochen — vermutlich in der Galvanik des Unternehmens, das im Gewerbegebiet zwischen Küntroper und Bahnhofstraße, in der Nähe eines Baumarkts, liegt. Dichter Rauch stieg aus dem Firmengebäude auf; Flammen waren zu sehen. Anwohner berichteten von einem lauten Knall, der zu hören gewesen sei.

Die gesamte Feuerwehr der Stadt Neuenrade ist im Einsatz, um die Flammen zu löschen; beim Eintreffen der ersten Kräfte soll die Galvanikabteilung bereits in Vollbrand gestanden haben. „Eine schwarze Rauchsäule stand über der Halle”, berichtete Einsatzleiter Karsten Runte gegenüber LOKALSTIMME.DE. Nach und nach wurden weitere Einheiten aus anderen Städten des Märkischen Kreises (Werdohl, Menden, Hemer, Lüdenscheid, Balve) hinzugezogen: So sind unter anderem mehrere Drehleiterfahrzeuge nach Neuenrade geeilt. Teile eines Hallendachs sind am Abend eingestürzt. Zumindest die Rauchentwicklung nahm aber am Abend ab. Mit der Drohne der Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde wurde nach Glutnestern aus der Luft gesucht.

Bevölkerung wurde per Warn-App Nina, Sirene und Lautsprecherdurchsagen gewarnt

Per Warn-App Nina, per Sirene und mit Lautsprecherdurchsagen der Polizei wurden die Anwohner wegen der anfangs massiven Rauchentwicklung und möglicher Giftstoffe, die damit in die Luft gelangten, aufgefordert, Fenster und Türen ihrer Wohnungen geschlossen zu halten, eventuelle Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten und sich nicht im Freien aufzuhalten — diese Warnung ist über die Warn-App Nina um 1.48 Uhr in der Nacht aufgehoben worden.

Bewohner von Werkswohnungen im Umfeld des Unternehmens wurden evakuiert; für sie stand zunächst ein spezieller Rettungsbus der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) bereit, um sie vorläufig unterzubringen. Laut Polizei kümmert sich das städtische Ordnungsamt um eine Unterbringung für die Nacht, einige konnten bei Verwandten unterkommen.

Die Polizei hat den Einsatzort weiträumig abgesperrt. „Eine Höhe des Sachschadens kann noch nicht beziffert werden”, erklärte die Polizei gegen 22 Uhr,  als die Löscharbeiten der Feuerwehr noch in vollem Gang waren. Zu Angaben über mögliche Verletzte formulierte die Polizei vorsichtig: „Hinweise zu Verletzten bestehen zur Zeit nicht.”

Das betroffenen Unternehmen ist einer der drei Standorte der Tyrolit-Gruppe in Deutschland; Tyrolit — ein österreichisches Unternehmen — stellt Maschinen sowie Werkzeuge und Zubehör her.

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