Iserlohn/Hagen. Spezialeinsatzkräfte der Polizei haben nach einem Tötungsdelikt in Hagen den mutmaßlichen Täter, einen 24-Jährigen, in Iserlohn festgenommen. Der Zugriff erfolgte am Dienstagabend in einem Mehrfamilienhaus am Rande der Iserlohner Innenstadt. Nach der Stürmung der Wohnung kümmerten sich Jugendamt, Notfallseelsorger und Rettungsdienst um ein kleines Mädchen, dass sich mit in der Wohnung aufgehalten haben soll. Ob und in welcher Beziehung die Dreijährige zu Opfer und Täter steht, dazu machte die Polizei am Abend zunächst keine Angaben.

+++ neu, 12.30 Uhr +++: Hagen (ots) Die Hagener Staatsanwaltschaft und Polizei teilen ergänzend zur gestrigen Pressemeldung mit, dass sich die dreieinhalbjährige Tochter der Verstorbenen zur Tatzeit vermutlich in der Wohnung in der Hördenstraße aufhielt. Der 24-Jährige verließ anschließend mit ihr die Örtlichkeit. Zum Zeitpunkt der Festnahme befand sich das Mädchen im Beisein des 24-Jährigen, der nicht der Kindsvater ist, in Iserlohn. Das Kind ist unverletzt und befindet sich in der Obhut des Jugendamtes.

Gesucht wurde der 24-Jährige aufgrund eines Auslieferungshaftbefehls. Der Beschuldigte soll noch heute dem Haftrichter vorgeführt werden.

+++ Erstmeldung +++

Das Gebäude ist eigentlich unscheinbar. Ein grau gestrichener Wohnblock an der Lange Straße. Einfache Fenster; an einigen sind die grauen Rolladen heruntergelassen. Im zweiten Obergeschoss sind zwei Fenster mit grünem Stoff zugehängt. „Das Haus sollte eigentlich abgerissen werden“, erzählt eine Nachbarin; zuletzt hätten die Bewohner dort „häufig gewechselt“. Es wird deutlich: Die Anwohner rings herum empfinden das Gebäude zunehmend als Problemhaus. „Da war häufig die Polizei“, heißt es auch. Am Dienstagabend ist es ein Großaufgebot der Polizei, das dort auffährt.

„Das sah aus wie im Fernsehen“ – Zugriff mit Blendgranate?

„Das sah aus wie im Fernsehen, wie beim ,Tatort`“, berichtet ein Anwohner: Spezialkräfte der Polizei, in schusssicheren Westen und mit Helmen geschützt, stürmen gegen 20.50 Uhr in das Wohnhaus. Ein Nachbar will einen „grellen Blitz“ gesehen haben; womöglich zünden die Spezialisten bei dem Zugriff eine Blendgranate. Sie führen schließlich zu zweit, im festen Griff, einen jungen Mann heraus, bekleidet mit einer grünen Tarnfleck-Hose und dunklem T-Shirt mit großem, weißen Totenkopf-Aufdruck. Der Mann hat offensichtlich eine Verletzung im Gesicht davongetragen, trägt einen frischen Verband über dem rechten Auge. An Händen gefesselt wird er auf eine Trage gelegt und mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gefahren – die Polizei fährt mit. Der 24-Jährige soll seine ehemalige Lebensgefährtin getötet haben.

Frauenleiche in Wohnung in Hagen entdeckt

Die Leiche der 38-jährigen Frau hat die Polizei bereits am Montag (15. Juni) gegen 11 Uhr in einer Wohnung in Hagen aufgefunden. Eigentlich wollten die Ermittler dort, in einem Haus im Ortsteil Haspe, den 24-Jährigen antreffen, der nach einer gemeinsamen Erklärung der Staatsanwaltschaft Hagen und der Polizei Dortmund „mit einem Haftbefehl gesucht wurde“ – weswegen teilen die Behörden bislang nicht mit.

Statt auf den Gesuchten stoßen die Ermittler auf die Frauenleiche. Nach bislang unbestätigten Angaben soll die Tote bereits seit einigen Tagen dort unentdeckt gelegen haben. „Nach ersten Ermittlungen und einer Obduktion der Verstorbenen geht die Polizei von einem Gewaltverbrechen aus“, heißt es dann am Dienstag. Bei der Getöteten handelt es sich um die 38-jährige Wohnungsinhaberin und Ex-Lebensgefährtin des 24-Jährigen, der offenbar schnell als dringend tatverdächtig gilt – und am Dienstag in dem Haus in Iserlohn vermutet wird. Es folgt der erfolgreiche Zugriff.

Dreijähriges Kind ins Krankenhaus gebracht

Als die Spezialkräfte an der Lange Straße lange abgerückt sind, werden zwei Kleinkinder und eine Frau aus dem Haus geführt. Notfallseelsorger, Rettungsdienst und Mitarbeiter des städtischen Jugendamts, unterstützt von einem Sicherheitsdienst, kümmern sich um die Personen. Eines der Kinder, nach Informationen von LOKALSTIMME.DE eine Dreijährige, wird ins Krankenhaus gefahren. Dann wird es wieder ruhig rund um das unscheinbare Mehrfamilienhaus am Rande der Iserlohner Innenstadt.

Fotos: Björn Braun und Alex Talash

Teile diesen Beitrag auf: