Altena. Künstlerinnen und Künstler der Ruhrakademie haben sich während der Werkstatt-Tage „Von der Lenne zur Ruhr“ mit Altena, seiner Burg und der Lenne beschäftigt. Die dabei entstandenen Arbeiten sind jetzt im Foyer des Erlebnisaufzugs Burg Altena zu sehen.
Bei der Vernissage, die die Werkstatt Altena zusammen mit der Ruhrakademie sowie dem Team des Erlebnisaufzuges realisierten, konnte Dorothea Ossenberg-Engels, Beisitzerin künstlerischer Bereich Werkstatt Altena, viele Interessierte begrüßen. Und natürlich waren die Studierenden selbst vor Ort. „Heute haben die Künstlerinnen und Künstler das Wort“ sagte Ossenberg-Engels ganz zu recht und forderte die Gäste auf, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, sie nach ihrer Inspiration, ihren Visionen und ihren Gedanken, die hinter ihren Werken stecken, zu fragen.
Einer der teilnehmenden Studierenden war der 21-jährige Jacob Kuhlmann, der seit zwei Jahren Kunst studiert. Seine Entscheidung für das Studium begründete er im Gespräch mit LOKALSTIMME so: Er habe oft von älteren Menschen den Satz gehört, „Ach, hätte ich doch mal Kunst studiert“. Das wolle er später nicht selbst sagen müssen. „Ich studiere Kunst.“ Und sein Ziel sei es, eines Tages von seiner Kunst leben zu können.
Besondere Gemälde der Burg Altena
Sein Ölgemälde trägt den Titel „Burg Altena“. Es zeigt den Blick auf Innenstadt und Burgberg von der anderen Seite aus dem Behördenviertel – die Burg selbst ist allerdings nicht zu sehen, höchstens zu erahnen Das ist Absicht: Altena bestehe nicht nur aus der Burg, sondern auch aus den Menschen, die hier leben. Immer wieder sei er gefragt worden, wann er denn die Burg in sein Bild male. „Gerade deshalb habe er sie bewusst weggelassen“, sagte er. Auf diese provokante Weise will der junge Künstler darauf hinweisen, dass der Wiederaufbau der Burg Altena im Jahr 1914 um ein Haar gescheitert wäre, hätten sich die Altenaer nicht so tatkräftig dafür eingesetzt.

Genannt hat er es „Burg Altena“. Doch die ist auf dem aufwändigen Ölgemälde von Jacob Uhlmann gar nicht zu sehen. Foto: Ilka Kremer
Auch seine Kommilitonin und Freundin Johanna Lucia Mueller hat sich auf ihre Weise mit dem Thema beschäftigt. Ihr Bild trägt den Titel „Da habt ihr eure Burg“. Sie wählte eine puristische, fast schlichte, geometrische Bildsprache. Kräftiges Grün und Blau bestimmen die Fläche. In der Mitte steht ein brauner Quader, der die Burg Altena darstellt. Ursprünglich hatte Johanna das Bild im Hochformat mit einem Bach als Motiv angelegt. Besucher fragten sie allerdings, warum sie ausgerechnet einen Bach male, wo Altena doch andere markante Sehenswürdigkeiten wie die Burg zu bieten habe. Diese Rückmeldungen griff sie auf und entwickelte das Motiv weiter: Aus dem Hochformat wurde ein Querformat, in dessen Mittelpunkt nun der braune Quader als Darstellung der Burg steht. Ihr Freund Jakob bezeichnete das fertige Werk augenzwinkernd als „Zeugnis einer Performance“.

Zeugnis einer Performance: So interpretiert Johanna Lucia Mueller das Wahrzeichen der Stadt, die Burg Altena. Foto: Ilka Kremer
Eine weitere Studentin setzte sich mit der Geschichte der Jugendherbergen auseinander. Kirsten Lindemaier fertigte 121 Kohle-Portraits an. Aus zunächst wie Kritzeleien wirkenden Linien wurden individuelle Gesichter. Die Zahl 121 nimmt Bezug auf das 121-jährige Bestehen des Deutschen Jugendherbergswerks und auf Altena als Standort der ersten Jugendherberge der Welt. Die vielen unterschiedlichen Gesichter stehen für die Menschen aus verschiedenen Ländern, die in Jugendherbergen zusammenkommen.
Professor und Dozent erschaffen auch Altena-Werke
Auch die beiden Dozenten steuerten eigene Werke zur Ausstellung bei. Professor Jürgen Störr zeigt einen luxuriösen Ausflugsdampfer, der auf der Lenne unterwegs ist – eine bewusst absurde Szene. Das Motiv ist außerdem auf Plakaten und Postkarten zu finden, die im Erlebnisaufzug verkauft werden. Der Erlös kommt vollständig der Werkstatt Altena zugute. Dozent Thomas Volkmann greift in seinen drei Arbeiten das Altenaer Stadtwappen und die darin abgebildete Heilige Katharina auf. Dabei interpretiert er die Schutzpatronin auf ganz unterschiedliche Weise und zeigt sie aus ungewohnten Perspektiven – anders, als die Bürgerinnen und Bürger sie aus dem Stadtwappen kennen.
„Rumasen und rumsauen gehört einfach dazu“
Professor Jürgen Störr bezeichnete die Werkstatt-Tage als Herausforderung. Dass Menschen einem beim Entstehen eines Kunstwerks über die Schulter schauen, sei nicht für jeden Künstler einfach. Er selbst würde sich dabei gehemmt fühlen. Kunst lasse sich schließlich nicht „auf Fingerschnips“ herstellen. Umso wichtiger sei der geschützte Arbeitsraum gewesen. „Bei der Kunst muss man rumasen, muss man rumsauen. Das gehört einfach dazu“, sagte er. Das Projekt sei für beide Seiten eine Bereicherung gewesen. Die Ergebnisse seien so unterschiedlich und individuell wie die Künstler selbst. Eine Wiederholung könne er sich gut vorstellen.
Für ihn schloss sich mit den Werkstatttagen auch ein Kreis: In Altena habe für ihn vor 40 Jahren vieles mit der Gründung der Ruhrakademie begonnen. Damals habe er nicht geahnt, dass ehemalige Studierende später mit ihrer Kunst weltweit erfolgreich sein würden. An diesem Abend trat er zudem der Werkstatt Altena bei.
Kreative Zeit und intensive Einblicke
Jakob Kuhlmann blickte ebenfalls positiv auf die Tage zurück. Es sei eine kreative Zeit gewesen, in der viel entstehen konnte. Die Vorbereitung habe gestimmt, die Unterkunft in der Jugendherberge sowie Material und Kosten seien organisiert und übernommen worden. Dadurch hätten sich die Studierenden ganz auf ihre Arbeit konzentrieren können. Auch die Besuche und Gespräche vor Ort hätten ihnen einen intensiveren Einblick in Altena und seine Menschen ermöglicht.
Die Werkstatttage standen unter dem Motto „Stadt, Burg, Fluss – von der Lenne zur Ruhr“. Sie fanden vom 3. bis 6. September statt und waren eine gemeinsame Aktion der Werkstatt Altena, die ihr 50-jähriges Bestehen feiert, und der Ruhrakademie Schwerte, die auf 40 Jahre zurückblickt. Studierende der Ruhrakademie hatten die Gelegenheit, sich mehrere Tage lang künstlerisch mit Altena auseinanderzusetzen. Die Studierenden wurden von Professor Jürgen Störr und Dozent Thomas Volkmann begleitet. Zum Auftakt gehörten auch Einblicke in die Stadt und ihre Geschichte. Bei Besuchen, unter anderem in einem Drahtwerk, und Gesprächen mit Menschen vor Ort konnten sich die Studierenden ein Bild von Altena machen. Gearbeitet wurde in der Burg Holtzbrinck. Dort waren Schutzmaßnahmen ergriffen worden, damit die Künstler sich frei entfalten konnten, ohne dem Inventar zu schaden.

(v.l.) Professor Jürgen Störr, Dorothea Ossenberg-Engels, Bürgermeister Guido Thal und Anke Borscheid vom Team Erlebnisaufzug vor den Kohle-Portraits von Kirsten Lindemaier. Foto: Ilka Kremer
Dorothee Ossenberg-Engels dankte der Stadt Altena und dem Team des Erlebnisaufzugs für die Unterstützung und Gastfreundschaft. Die Werkstatt-Tage seien eine großartige Idee gewesen, auf die sie stolz sei. Für die Werkstatt Altena sei das Vorhaben durchaus ein Wagnis gewesen. Sie sprach von einem „zukunftsweisenden Künstlerjubiläum“, das das 50-jährige Bestehen der Werkstatt Altena und das 40-jährige Bestehen der Ruhrakademie feiere.
„Jedes Kunstwerk hat eine Geschichte zu erzählen“
Auch Bürgermeister Guido Thal würdigte das Projekt. Die Ergebnisse würden manchen Besucher überraschen. Er ermunterte die Künstler, Altena in guter Erinnerung zu behalten und sowohl für die Stadt als auch für sich und ihre Kunst zu werben. Kunst und Kreativität seien nicht nur in großen Städten möglich, sondern auch im ländlichen Raum. „Jedes Kunstwerk hat eine Geschichte zu erzählen“, sagte Thal und warb dafür, genauer hinzuschauen und hinzuhören.
Mit Blick auf die Zukunft machte Ossenberg-Engels deutlich, dass die Werkstatt Altena auch weiterhin neue Ideen umsetzen möchte. Das auf dem Kopf stehende Logo erinnere an den ursprünglichen Anspruch, frischen Wind in die Stadt zu bringen und Künstler zu unterstützen. „Wir wollen weiter etwas wagen“, sagte sie. Das bisherige Stipendium solle künftig unter dem Namen „Stadtmaler“ weitergeführt werden. Wünschenswert sei, dass der nächste Stipendiat wieder im Kutscherhaus wohnen und arbeiten könne. Auch für die Werkstatt machte sie ein bisschen Werbung: Zwar sei die Zahl der Mitglieder sei gestiegen, dennoch gelte: „Wir brauchen neue Mitglieder, damit die Kunst in unserer Stadt weiterleben kann.“



