Nachrodt-Wiblingwerde. Fünf Jahre nach der Starkregenkatastrophe ist der Hallenscheider Weg in Nachrodt-Wiblingwerde noch immer gesperrt. LOKALSTIMME hat erneut nachgefragt: Die Genehmigungsplanung soll bis zum Jahresende durch sein und die Sanierung 2027 beginnen.
Ganz so ernst genommen wird die Sperrung des Hallenscheider Weges offenbar nicht: Absperrschranken und ein Betonlegostein wurden zur Seite geschoben, damit kommen kleine und große Fahrzeuge wieder durch. Immer wieder nutzen Autofahrer den Weg, um von Nachrodt nach Wiblingwerde zu gelangen. In der vergangenen Woche ist dort sogar mal wieder ein Sattelschlepper mit kleinem Anhänger beobachtet worden, der trotz Hinweisschildern sowie verbalen Hinweisen von Anwohnern und mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit weiterfuhr.

Sein Navi zeigte ihm an, dass er diesen Weg nehmen soll, und so fuhr der Fahrer dieses Sattelschleppers über den Hallenscheider Weg gen Wiblingwerde. Foto: Ilka Kremer
Für die eigentlichen Anlieger ist die Situation seit Jahren eine Belastung. Der Pferdehof Kückelhaus und der Tannenhof Tacke sind auf die Zuwegung angewiesen. Wann der Weg tatsächlich wiederhergestellt werden kann, hängt allerdings von mehreren Faktoren und Genehmigungen ab, erklärte Marc Trappe, bei der Gemeindeverwaltung zuständig für Tiefbauangelegenheiten. Derzeit laufe die Genehmigungsplanung. „Bis zum Jahreswechsel sollte diese abgeschlossen sein, anschließend sollen die Arbeiten dann ausgeschrieben werden“, so Trappe. Wenn ausführende Unternehmen gefunden würden, hält er einen Baubeginn im Frühjahr 2027 für möglich. Festlegen könne man sich darauf allerdings noch nicht.
Der Aufwand für die Wiederherstellung sei groß. Die gesamte Fahrbahn müsse erneuert werden. Schließlich müsse der Hallenscheider Weg künftig auch für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge sowie für Versorgungs- und Anlieferfahrzeuge sicher befahrbar sein. Zunächst solle das Durchlassbauwerk oberhalb des Eickhoffs erneuert werden. Dafür müsse das vorhandene Bauwerk entfernt und durch ein neues Kastenprofil, bestehend aus mehreren miteinander verbundenen Bauteilen, ersetzt werden. Und: Weitere Gewässerdurchlässe sollen erneuert werden. „Sie müssen künftig so ausgelegt sein, dass sie weiteren Starkregenereignissen standhalten. Wir müssen zukunftssicher bauen, sagt Trappe.
Früher Wirtschaftswege, heute andere Anforderungen
Ursprünglich sei der Hallenscheider Weg sei ebenso wie beispielsweise der Kleinberger Weg als Wirtschaftsweg für ganz andere Anforderungen angelegt worden. „Heute gelten andere Sicherheitsvorschriften und es müssen auch die Folgen von Starkregen und Hochwasser berücksichtigt werden. Eine Autobahn solle dort natürlich nicht entstehen“, sagt Trappe. Der Weg müsse aber sicher für die Anlieger und die notwendigen Transporte bleiben – etwa für Heu- und Strohlieferungen oder den Abtransport von Weihnachtsbäumen.

Absperrungen, wie Lego-Betonstein und Absperrschranken wurden am Hallenscheider Weg schon lange zur Seite geschoben. Foto: Ilka Kremer
Hand an mehreren Stellen nicht ausreichend standsicher
Zusätzlich mache der Hang an verschiedenen Stellen Probleme: „Er ist mancherorts nicht mehr ausreichend standsicher und muss entsprechend gesichert werden.“ Unter der Straße verläuft zudem eine Gas-Transportleitung, die für die Bauarbeiten zunächst stillgelegt werden muss. Erschwerend käme hinzu, dass bei diesem Projekt mehrere Behörden beteiligt seien: die Doppelgemeinde, Untere Wasserbehörde und die Untere Naturschutzbehörde. Unterschiedliche Vorgaben und Interessen müssten miteinander abgestimmt werden. Auch das trage dazu bei, dass sich alles so lange hinziehe, gibt Trappe zu bedenken.
Und auch der Freileitungsbau von Amprion habe Auswirkungen auf die Planung. Im Bereich des Hallenscheider Weges befinden sich zwei Zufahrten zu Baustellen für die neuen Hochspannungsmasten. Diese Arbeiten müssen zunächst abgeschlossen sein, bevor die Sanierung des Weges beginnen kann, verdeutlicht der technische Mitarbeiter.
Trappe rechnet mit einer Bauzeit von mindestens einem Jahr. Während der Arbeiten müsste der Hallenscheider Weg vollständig gesperrt bleiben. Voraussetzung für den Zeitplan ist allerdings auch, dass das Wetter mitspielt und die verschiedenen Vorarbeiten entsprechend abgeschlossen werden können. Für die Familien in Kückelhaus und Tacke bedeutet das, dass sie sich weiterhin gedulden müssen. Trappe bedauert die lange Dauer nach eigenen Worten insbesondere mit Blick auf die betroffenen Anlieger.



