Nachrodt-Wiblingwerde. Mit spürbarer Leidenschaft, viel Humor und klaren Worten führte Wehrleiter Jens Klatt durch die Jahresdienstbesprechung der Feuerwehr. Unmissverständlich klar wurde am Freitagabend: Das Engagement in der Wehr ist groß, doch es braucht dringend mehr Mitstreiter.
Mit spürbarem Stolz, ließ Jens Klatt das vergangene Jahr Revue passieren. „Seit 829 Tagen bin ich heute als Leiter der Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde im Dienst und möchte Danke sagen“, so Klatt. „Ohne euch ist diese Arbeit nicht möglich. Danke, dass ihr nachts aufsteht. Danke, dass ihr euch fortbildet. Danke, dass ihr aufpasst, wenn andere feiern. Und vielen Dank an eure Familien, dass sie euch gehen lassen„, diese Worte taten gut und machten zugleich deutlich, was die ehrenamtlichen Feuerwehrfrauen und -männer auf sich nehmen.

Zahlreich nahmen die Frauen und Männer der Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde an der Jahresdienstbesprechung in der Aula der Grundschule an der Ehrenmalstraße teil. Foto: Ilka Kremer
Die statistischen Zahlen präsentierte Klatt nicht trocken vom Blatt, sondern mit vielen Fotos und unterhaltsamen Anekdoten aus dem Einsatzgeschehen. Ob technische Hilfeleistungen, Brandeinsätze oder Sicherheitswachen bei Veranstaltungen – die Kameradinnen und Kameraden waren stets zur Stelle.
„Danke, dass ihr die Feuerwehr seid, die ich gerne rufen würde, wenn ich sie brauche“, brachte Klatt es auf den Punkt. Hinter jedem Alarm stehe Verlässlichkeit, Teamgeist und eine große Portion Idealismus. Besonders hob er hervor, wie professionell und routiniert selbst anspruchsvolle Lagen abgearbeitet wurden. Ausbildung und Übungsdienste zahlten sich aus – und das Ehrenamt bewies einmal mehr seine enorme Bedeutung für die Dorfgemeinschaft.
Zwischendurch ein Einsatz und ein eingestelltes Verfahren
Und plötzlich ein Pieper-Konzert in der Aula der Grundschule: eine Alarmmeldung für ein Haus an der Bachstraße. Dort hatte sich wohl ein Bewohner ausgesperrt, während auf dem Herd das Essen kochte. Sofort rückte ein Teil der Anwesenden aus, um Schlimmeres zu verhindern. Zum Glück stellte sich vor Ort keine größere Gefahr heraus, so dass der Einsatz schnell beendet werden konnte.
Im Jahr 2025 rückte die Feuerwehr insgesamt zu 116 Einsätzen in Nachrodt und Wiblingwerde aus, nur 18 davon waren Brände. „20 Prozent unserer Einsätze sind Tragehilfen“, machte Klatt deutlich und auch, dass sich daran etwas ändern müsse: „Wir führen Gespräche dazu, damit die Feuerwehr für die Einsätze ausrückt, für die sie eigentlich da ist.“ Als Highlights des vergangenen Jahres hob er unter anderem das Feuer auf dem Wohnwagenstellplatz an der Altenaer Straße hervor. Durch die große Hitze, die sich dort gebildet hatte, waren an mehreren Wohnwagen erhebliche Sachschäden entstanden, Menschen warn glücklicherweise nicht verletzt worden. Eine brennende Ladung eines Müllfahrzeuges in Veserde brachte die Feuerwehr im September ins Schwitzen. Und die riesengroße Ölspur, die auf der B236 für eine Vollsperrung sorgte, wirkt immer noch nach. Denn das Ermittlungsverfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gegen den Autofahrer, der zunächst eine Verbalattacke gegen die Einsatzkräfte führte und schließlich einen Feuerwehrmann anfuhr und am Bein verletzte, wurde zum Unverständnis aller eingestellt.

Mit Plakaten wie diesem am Fuße des Kreinberger Weges versuchte die Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde neue Mitglieder zu gewinnen. Foto: Ilka Kremer
Neue Mitglieder, doch professionelle Werbekampagne lief ins Leere
„Das gab es noch nie“, meinte Klatt, als es um die Anzahl der Frauen in der Feuerwehr Nachrodt-Wiblingwerde ging. Denn das sind mittlerweile 32. Die Anzahl der Männer beträgt 122. In 2025 verzeichnete die Wehr zwei Eintritte mehr als Austritte. Insgesamt konnten acht neue Kameradinnen und Kameraden dazu gewonnen werden.
Die groß angelegte Werbemaßnahme in Zusammenarbeit mit einer professionellen Agentur hätte allerdings keine Neuzugänge gebracht, berichtete Klatt. Vielmehr habe sich gezeigt, dass die persönliche Ansprache sowie die eigene Nachwuchsarbeit am besten sind, um Menschen für das Ehrenamt in der Feuerwehr zu motivieren. „Wir sind auf einem guten Weg und hoffen auf eine weitere positive Entwicklung“, meinte der Wehrleiter und verdeutlichte, dass die Feuerwehr der Doppelgemeinde laut Brandschutzbedarfsplan „leistungsfähig“ ist. Dennoch seien derzeit nur 17 Einsatzkräfte tagverfügbar, weil viele Mitglieder außerhalb arbeiten und somit dann nicht vor Ort sind. Damit alles optimal wäre und die Wehr nicht immer wieder „kreative Ideen“ entwickeln müsste, gelte es, die Anzahl der tagverfügbaren Einsatzkräfte zu verdreifachen.



