Menden. Mehr Sicherheitsaufgaben, neue Einsatzmittel und dringender Handlungsbedarf bei Feuerwehrstandorten: Bei der Jahresdienstbesprechung machte Wehrleiter Christian Bongard deutlich, vor welchen Herausforderungen die Feuerwehr Menden steht – und richtete einen eindringlichen Appell an Politik und Verwaltung.
Die zunehmenden Anforderungen an die innere Sicherheit prägen das Einsatzgeschehen der Feuerwehr Menden immer stärker. Besonders der Gefahrstoffeinsatz im Mendener Rathaus im August 2025 habe gezeigt, wie sehr sich die Lage verändert habe, betonte Christian Bongard in seinem Jahresbericht. „Auch wenn kein Anschlag festgestellt wurde, verdeutlicht dieser Einsatz, dass Entwicklungen der inneren Sicherheit direkte Auswirkungen auf unsere Arbeit haben“, so Bongard.
Neben klassischen Einsätzen ist die Feuerwehr zunehmend in die Absicherung von Großveranstaltungen eingebunden. Ehrenamtliche Kräfte sichern seit Jahren Veranstaltungen wie den Karnevalsumzug oder die Pfingstkirmes ab. Neu seien dabei zusätzliche Herausforderungen durch feste und mobile Terrorsperren. „Sie verhindern unbefugtes Eindringen, behindern aber im Ernstfall auch den Zugang für Rettungskräfte. Das erfordert präzise Vorplanungen und klare Absprachen“, erklärte Bongard.
Um für komplexe Einsatzlagen besser gerüstet zu sein, habe die Feuerwehr ihre Strukturen weiterentwickelt. So wurden neue Einheiten für Information- und Kommunikationstechnik (IuK-Einheit) sowie für den Drohneneinsatz aufgebaut. Auch der Raum der Einsatzleitung sei modernisiert worden. Ein weiterer Fortschritt: Die Feuerwehr kann nun direkt auf Einsatzdaten der Leitstelle zugreifen. Eine erste Übung dazu im November sei erfolgreich verlaufen. Bongard hob dabei besonders das Engagement der IT-Spezialisten aus Haupt- und Ehrenamt hervor.
Große Investitionen gab es zudem im Fahrzeugbereich. Neben einem neuen Einsatzleitwagen (ELW) verfügt die Hauptwache nun ebenso wie die Löschgruppe Lendringsen über moderne Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge (HLF). Zusätzlich steht erstmals ein vollwertiges „HLF 20“ als Ersatzfahrzeug bereit. „So können wir auf Ausfälle durch Wartung, Defekte oder für Ausbildung flexibel reagieren“, sagte Bongard. Die neuen Fahrzeuge tragen zudem das neue Sicherheitsdesign mit Bezug zu markanten Gebäuden der Stadt.
Verzögerungen beim Bau neuer Gerätehäuser
Verzögerungen gibt es hingegen beim Bau neuer Feuerwehrhäuser. Die Standorte Schwitten und Halingen konnten im letzten Jahr noch nicht offiziell übergeben werden. Während das Feuerwehrhaus Halingen inzwischen zumindest inoffiziell genutzt wird, soll die offizielle Übergabe beider Gebäude wohl bis Ende April erfolgen, sofern die bautechnischen Freigaben erfolgen.
Besonders deutlich wurde Bongard beim Thema Feuerwehrstandort Menden-Mitte. Der marode Zustand des dortigen Gerätehauses sei untragbar. Kritisch bewertete er, dass es im neuen Stadtrat derzeit keine Mehrheit für die Änderung des Bebauungsplans am ursprünglich vorgesehenen Standort gebe. „Unabhängig vom Grundstück brauchen wir Klarheit – und zwar bis zum Sommer dieses Jahres“, forderte der Wehrleiter.
Bürgermeisterin Manuela Schmidt mit Versprechen an die Wehrleute
Bürgermeisterin Manuela Schmidt bedauerte die Situation rund um das Feuerwehrgerätehaus Menden-Mitte. In ihrem Grußwort betont sie, dass es „wichtig ist, dass die Feuerwehr über vernünftige Technik und Feuerwehrgerätehäuser verfügt“. An der Situation im Feuerwehrgerätehaus Mitte „gibt es nichts zu beschönigen,“ so die Bürgermeisterin.

Ihr „Herz schlägt für die Feuerwehr“: Mendens Bürgermeisterin Manuela Schmidt dankt allen Einsatzkräften auf der Jahresdienstbesprechung. Foto: Dennis Echtermann
„Ich werde alles mir zur Verfügung Stehende tun, als Bürgermeisterin dafür zu sorgen, dass wir mit der Planung vorankommen,“ so Schmidt weiter, deren Herz nach eigenen Angaben „für die Feuerwehr“ schlägt. Aber: Alles hängt davon ab, wie schnell der Bauhof einen neuen Standort findet.
Notfallseelsorgerin Dunja Fricker mit wichtigem Appell an die Gesellschaft
Eindringliche Worte fand Dunja Fricker für die Notfallseelsorge Menden, die so manchen Kameraden in der Mehrzweckhalle in Schwitten nachdenklich machte. Die Unterstützungseinheit PSNV-B, auch als Seelsorge bekannt, kommt dann zum Einsatz, wenn Betroffene von Einsätzen betreut werden müssen. Anders als die PSNV-E, die Ansprechpartner für Einsatzkräfte nach belastenden Einsätzen ist.
Seit drei Jahren ist die Seelsorge als Unterstützungsgruppe direkt an die Feuerwehr angeschlossen. Im Jahr 2025, so berichtet Dunja Fricke, ist die Gruppe zu 34 Einsätzen (Vorjahr 25 Einsätze) alarmiert worden. Davon sind 23 im häuslichen Umfeld gewesen und elf im öffentlichen Bereich. Als besonders belastend bleibt der Einsatz mit Schusswaffengebrauch im Spätsommer im Gedächtnis der Seelsorger.

Dunja Fricker stellte den Jahresbericht der Notfallseelsorge vor. Foto: Dennis Echtermann
Das Jahr 2026 hat für die Unterstützungsgruppe bereits einsatzreich begonnen. In den ersten zwei Monaten sind die Seelsorger schon bei sieben Einsätze gefordert gewesen. Eine Vielzahl fällt dabei auf Suizide – und hier wünscht sich Dunja Fricke, dass die Gesellschaft ein größeres Auge auf das Umfeld hat.
Sie ermutigt die Anwesenden, ihre Mitmenschen anzusprechen, wenn der Eindruck entsteht, etwas stimmt nicht. „Wir alle haben die Möglichkeit, Menschen, die in eine depressive Verstimmung rutschen oder mit psychischen Problemen zu tun haben, Hilfestellung zu geben“, so Fricker. Auch ohne Ausbildung sei dies möglich; ein einfaches Gespräch mit dem Betroffenen kann oft schon helfen.
Land NRW ehrt langjährige Mitglieder
Wie es sich für eine Jahresdienstbesprechung gehört, wurden in der Mehrzweckhalle in Schwitten am Samstag auch langjährige Mitglieder der Feuerwehr geehrt.
Für 25 Jahre Zugehörigkeit im aktiven Dienst: Stefan Deitel, Heinrich Gramse, Dirk Kluthe, Sven Sommer, Daniel Stemmer, Tim Wegner
Für 35 Jahre Zugehörigkeit im aktiven Dienst: Manfred Erdmann, Stefan Grewe, Dominik Kraus, Thorsten Krefeld, Ralf Meier-Kottenberg, René Ranke, Dirk Rettler, Volker van Kronenberg, Andreas Weimer

Für langjährige Tätigkeit im aktiven Dienst ehrte das Land NRW einige Mitglieder. Foto: Dennis Echtermann
Für 10 Jahre: Tobias Middeke, Cornelius Hoffmann, David Spener, Josephine Campos, Elias Hartung, Niklas Paschen, Philip Paschen, Jaqueline Bals, Bianca Blümel, Beate Schuhmann
Für 40 Jahre: Jürgen Zentis, Peter Bartmann, Heinz Müller, Stefan Meyer, Olaf Kirstein, Jörg Kammler, Hans Aurich, Hans-Jürgen Offenborn, Karsten Simon
Gründungsmitglieder JF: Achim Krämer, Stefan Pingel, Dirk Schmale, Ralf Schmale, Helge Bennigsen, Thorsten Haese, René Hellmund, Markus Lipsch, Thorsten Brüne, Lars Sauer, Christian Bongard.
Für 60 Jahre: Wolfgang Schmidt, Reinhard Bornemann, Klaus Braukmann, Werner Bartmann.
Auch im Spielmannszug Menden Mitte wurden Mitglieder geehrt: Andreas Paschen für 20 Jährige Tätigkeit als musikalische Leitung, Achim Ziegenhirt für 35 Jährige Tätigkeit als musikalische Leitung und Peter Hoffmann für 50 Jahre aktive Tätigkeit im Spielmannszug.
Im Rahmen der Jahresdienstbesprechung wurde Bernd Stepphuhn aus dem aktiven Dienst verabschiedet und in die Ehrenabteilung befördert.

Die beförderten und geehrten Mitglieder stellten sich zu einem gemeinsamen Gruppenfoto auf. Foto: Feuerwehr Menden



