Menden. Jannis Stausberg hat den ersten Cannabis Social Club in Menden gegründet. Für 50 Mitglieder aus der gesamten Region baut er bereits legal Cannabis an. Den Ort der Plantage hält er streng geheim.
Zigarren-Boutiquen oder Vinotheken gehören längst zum Stadtbild. Beim Genussmittel Cannabis sieht dies anders aus. Wer Cannabis konsumieren wollte, war meist auf den Schwarzmarkt angewiesen. Nach der Legalisierung gibt es nun allerdings einige lizenzierte Abgabestellen, bei denen ein verantwortungsvoller Umgang mit Cannabis höchste Priorität hat. So setzt sich auch Jannis Stausberg vom Cannabis Social Club „Bud’n’Budder“ aus Menden dafür ein.
Bereits im vergangenen Jahr wollte der 32-jährige Iserlohner einen Cannabis Club in Iserlohn-Letmathe gründen. Die Lizenz dafür lag bereits vor, als die Stadt Iserlohn den Bauantrag im Mai 2025 endgültig ablehnte. In der Hönnestadt hatte Stausberg dann mehr Glück. Im Dezember beantragte er erneut die Lizenz bei der Bezirksregierung Arnsberg, stellte einen Bauantrag und eine Nutzungsänderung der Räumlichkeiten und hatte damit letztendlich Erfolg. Die Stadt Menden erkannte dem Club einen sozialen Zweck zu. „Die Stadt Menden war da viel offener“, so Stausberg.
Mit Lizenz und Bauantrag war es nicht getan. Um alle Genehmigungen zu bekommen, musste der gelernte Chemikant verschiedene Konzepte erstellen, seien es Jugendschutz- oder Sicherheitskonzept. Alle wurden neu für den Mendener Standort entwickelt. Viele Interessierte warteten geduldig mit Stausberg auf die Freigabe, ist doch der Club im heimischen Raum etwas Besonderes. Zwar gibt es einen weiteren Cannabis Club in Werdohl, aber in Menden ist er einzigartig. Das Einzugsgebiet ist dabei groß: Balver, Hemeraner, Iserlohner, Fröndenberger und natürlich auch Mendener gehören unter anderem zu den Clubmitgliedern.
Cannabis-Anbau mit LED-Lampen und Ventilatoren
Zunächst war Stausberg, der den Cannabis Social Club zusammen mit seiner Zwillingsschwester und Mutter führt, ehrenamtlicher Vorsitzender, mittlerweile ist er jedoch in Vollzeit Vorstandsvorsitzender. Durch seine Ausbildung bringt er ein großes Verständnis in Bezug auf chemische Vorgänge mit, was im Umgang mit den Cannabispflanzen sehr wichtig ist. Bei der Produktion wird in Menden auf das Living-Soil-Prinzip mit mikroorganismusreichem Substrat gesetzt. Dadurch, dass organische Rohstoffe beim biologischen Anbau verwendet werden, wird das Substrat so weit vorbereitet, dass anschließend Gießen mit klarem Wasser reicht.
Die Anbaufläche, ebenfalls in Menden, hält Stausberg geheim. Er selbst ist der Überzeugung, dass ihm das Interesse in die Wiege gelegt wurde, hatte doch sein Großvater in Griechenland seinerzeit eine Tabakplantage. Derzeit baut Stausberg auf 50 Quadratmetern an, hat jedoch die Möglichkeit, noch mehr Fläche zu nutzen. Zuletzt kümmerte er sich vor Ort um 112 Pflanzen. Der Anbau des Cannabis ist dabei für den Laien eine Wissenschaft für sich. Unter speziellen LED-Lampen, belüftet mit Ventilatoren und Umluft, wachsen die Pflanzen heran. Die Wachstumsphase dauert dabei zwischen zwei und vier Wochen. Im Anfangsstadium werden die Pflanzen 18 Stunden pro Tag beleuchtet, hinterher reduziert sich diese Zeit auf zwölf Stunden. Das technische Equipment für die Produktion kostet über 10.000 Euro.

Wo genau der Mendener Club sein Cannabis anbaut, bleibt geheim. Symbolfoto: Erin Stone/Pixabay
Blüht die Pflanze dann, wird sie bei „Bud’n’Budder“ als ganze Pflanze kopfüber zum Trocknen aufgehängt. Optimal sind hierfür 16 Grad. Es empfiehlt sich eine Trocknungszeit von sieben bis zehn Tagen, wobei die heimischen Anbauer auf 14 Tage setzen. Anschließend erfolgt die Ernte. Das Cannabis wird portioniert und verpackt, bevor es an der Ausgabestelle an der Werler Straße abgeholt werden kann – ausschließlich von Club-Mitgliedern.
Mitglieder erhalten bis zu 50 Gramm Cannabis im Monat
Für die Mitgliedschaft wird zunächst eine Pauschale für die Anmeldung fällig, dann staffeln sich die Mitgliedsbeiträge je nach Abgabemengen. Knapp 50 Mitglieder hat der Mendener Club derzeit. Maximal dürfen die genehmigten Cannabis Clubs 500 Mitglieder haben, wobei man sich in Menden selbst zunächst eine Beschränkung auf 150 bis 200 Mitglieder gesetzt hat. Um Mitglied zu werden, muss man im Mendener Club mindestens 21 Jahre alt sein. Zudem gibt es weitere gesetzliche Richtlinien. Man darf beispielsweise maximal in einem Cannabis-Club Mitglied sein und zudem muss man in Deutschland wohnen. Pro Tag dürfen maximal 25 Gramm pro Person herausgegeben werden, im Monat darf die Maximalmenge 50 Gramm nicht überschreiten. Wer bei „Bud’n’Budder“ Mitglied werden möchte, schließt nach einem ausführlichen Aufnahmegespräch, bei dem Stausberg etwas zur Philosophie des Clubs und zu den Rahmenbedingungen erläutert, eine Mitgliedschaft für mindestens drei Monate ab. Danach ist die Mitgliedschaft monatlich kündbar.
Nach der Teillegalisierung von Cannabis unterscheidet man zwischen medizinischem Konsum und Genusskonsum. Der Cannabis Social Club ist für Mitglieder, die aus letzterem Grund konsumieren. Stausberg selbst hat seinerzeit angefangen, Cannabis zu konsumieren, da er aufgrund von Schichtarbeit Schlafstörungen hatte. Er ist im Gegensatz zu seiner Zwillingsschwester und Mutter, die kein Cannabis konsumieren, bekennender Genusskonsument. „Sie sehen meine Begeisterung und sind interessiert an den Abläufen“, so Stausberg über Zwillingsschwester und Mutter, die beide gern gärtnern.
Die Clubmitglieder lassen sich keinesfalls in eine Schublade stecken. Ob Handwerker, ITler oder Kaufmann in gehobener Position, der typische Cannabiskonsument kommt aus keiner besonderen Schicht. Die meisten Mitglieder sind älter als 30, wobei ein Großteil zwischen 40 und 60 Jahren alt ist. Auch ist der Konsum nicht geschlechtsspezifisch, so sind gleichermaßen Frauen und Männer Mitglied. Bislang trifft sich der Club nur zur gesetzlich vorgeschriebenen Mitgliederversammlung. Im kommenden Frühjahr ist jedoch die erste anderweitige Vereinsveranstaltung geplant, um laut Stausberg „die Community zu stärken“.
Angebautes Cannabis wird gründlich untersucht
Wichtig ist Stausberg ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Cannabis. So wurde ein Mitglied des Clubs bei der Caritas in Paderborn zum Sucht- und Präventionsbeauftragten geschult und agiert als Knotenpunkt zwischen Suchtberatung und Club. In der Legalisierung und dem heimischen Club sieht Stausberg einen Vorteil: Der Konsument wisse genau, was für Cannabis er bekommt – anders als auf dem Schwarzmarkt. Jede Charge der momentan zwei Sorten wird gründlich untersucht. Bei der Ausgabe werden auf dem Tütchen THC- und CBD-Gehalt ausgewiesen. Zudem finden sich nochmals explizit Warnhinweise auf den Tütchen wie unter anderem der Hinweis auf die eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit.
Stausberg setzt sich für die Enttabuisierung ein. Kritik oder Anfeindungen hat er bislang nicht zu spüren bekommen. Seine Vermieter, sei es bei der Ausgabestelle oder auch bei der Produktionsstätte, wissen Bescheid. Vor Ort an der Abgabestelle und in einem Umkreis von 100 Metern darf das Cannabis sowieso nicht konsumiert werden.
Wer mehr über den ersten lizenzierten Anbauverein in Menden erfahren möchte, findet auf www.csc-menden.de mehr Details.



