Altena. Zur Aktionswoche Kindertagespflege (4. bis 10. Mai) geben Stephanie Schneider und Kim vom Hofe Einblicke in ihre Großtagespflege „Die kleinen Klapperstörche“ in Altena – und zeigen, warum das eine gleichwertige, persönliche Alternative zur Kindertagesstätte ist.
„Viele wissen gar nicht genau, was wir hier leisten“, sagen die beiden Tagesmütter. Dabei entspreche ihre Arbeit der eines Kindergartens. „Wir erfüllen die gleichen Bildungs- und Betreuungsaufgaben – nur eben in einem deutlich kleineren Rahmen.“ Genau das sei für viele Familien ein entscheidender Vorteil: In der Großtagespflege dürfen Schneider und vom Hofe maximal neun Kinder gleichzeitig betreuen. „Das ermöglicht eine intensivere, individuellere Begleitung jedes einzelnen Kindes“, erklären die beiden.
Und sie bringen dafür beste Voraussetzungen mit: Sie sind ausgebildete Erzieherinnen und waren bereits früher Kolleginnen. Der Schritt in die Selbstständigkeit als Großtagespflegemütter war dennoch nicht einfach so möglich. Eine umfangreiche Qualifizierung mit rund 300 Unterrichtsstunden gehörte dazu. „Das war schon ein strammes Programm“, erinnern sie sich. Die Kurse fanden häufig samstags statt, ergänzt durch Selbstlernphasen. „Aber diese Ausbildung ist wichtig – und zeigt auch, wie professionell die Kindertagespflege aufgestellt ist.“
Mit Unterstützung der Altenaer Baugesellschaft
Seit dem August 2023 sind die „kleinen Klapperstörche“ nun am Knerling in Altena zuhause. Die Räumlichkeiten haben sie von der Altenaer Baugesellschaft gemietet, von der sie von Beginn an stark unterstützt wurden. „Die Baugesellschaft kam uns bei der Bereitstellung der Räume als Großtagespflege sowie bei der Renovierung sehr entgegen“, berichten Schneider und vom Hofe von einer sehr guten Kooperation.
Auf rund 110 Quadratmetern haben die beiden Frauen eine liebevoll gestaltete Betreuungseinrichtung geschaffen. Neben einem großzügigen Gruppenraum gibt es einen separaten Schlafraum, eine Küche, einen Wickelbereich, zwei Bäder und eine Garderobe. Ein Sinnesraum ist aktuell im Aufbau. Die Gestaltung ist geprägt von Naturmaterialien und vielen kreativen Details: Tapete mit gezeichneten Bäumen und Regenbögen sorgen für eine ruhige Atmosphäre, ein selbst entworfener Leseschrank lädt zum Entdecken ein. Das Schlafzimmer der Tageskinder erinnert ein wenig an „Schneewittchen und die sieben Zwerge“.

Kim vom Hofe und Stephanie Schneider sind ein eingespieltes Team, dem Naturverbundenheit sehr wichtig ist.
Hinterm Haus steht ein Garten mit großer Wiese zur Verfügung
Auch draußen gibt es viel zu erleben. Hinter dem Haus liegt ein großer Garten mit Wiese, umgeben von einer Hecke – ein geschützter Raum zum Spielen. Zudem ist der Wald nur wenige Schritte entfernt und wird regelmäßig in den Alltag einbezogen. „Wir sind beide sehr naturverbunden, und das geben wir auch an die Kinder weiter“, sagen Schneider und vom Hofe. Ihre pädagogische Haltung ist dabei klar formuliert: Im Mittelpunkt steht stets der positive Blick auf jedes einzelne Kind. „Uns ist wichtig, jedes Kind in seiner Individualität wahrzunehmen und wertzuschätzen“, erklären sie. Chancengleichheit habe für sie einen hohen Stellenwert – bewusst werde nicht „in Schubladen gedacht“. Jedes Kind werde unabhängig von seinen Voraussetzungen gleich gesehen und gefördert.
Diese Haltung spiegelt sich auch im Alltag wider: Die beiden Tagesmütter setzen gezielt auf ganzheitliche Sinneserfahrungen. Ob beim Spielen mit Naturmaterialien, beim Aufenthalt im Freien oder in den liebevoll gestalteten Räumen – Kinder sollen ihre Umwelt mit allen Sinnen entdecken. „So können sie Prozesse besser verarbeiten und sich Neues spielerisch aneignen“, erklärt Stephanie Schneider.
Tagesverlauf mit festen Strukturen gibt Sicherheit
Betreut werden Kinder im Alter von ein bis drei Jahren – also bis zum Übergang in den Kindergarten. Die Betreuungszeiten liegen zwischen 7.30 Uhr und 14.30 Uhr. In dieser Zeit legen Schneider und vom Hofe großen Wert auf eine ganzheitliche Förderung. Bewegung, gesunde Ernährung, Sprachentwicklung sowie sozial-kulturelle Bildung spielen dabei eine zentrale Rolle. Der Tagesablauf folgt festen Strukturen, die den Kindern Sicherheit geben. Nach dem Ankommen und einer Phase des freien Spiels beginnt der gemeinsame Morgenkreis. Ein festes Begrüßungslied, Fingerreime und Sprachspiele gehören dazu. „Diese Rituale helfen den Kindern, sich zu orientieren, und fördern ganz nebenbei den Wortschatz und das Miteinander“, verdeutlicht Kim vom Hofe.
Ein fester Bestandteil des Tages ist auch die Ruhephase: Der Mittagsschlaf findet bewusst bereits vor dem Mittagessen statt. „Wir haben festgestellt, dass viele Kinder zu diesem Zeitpunkt schon sehr müde sind“, berichtet vom Hofe. Im gemütlich eingerichteten Schlafraum stehen kleine Kinderbettchen bereit. Zusätzlich gibt es eine große Matratze mit Kuschelkissen für die Kinder, die beim Einschlafen die Nähe brauchen. „Dann legen wir uns auch schon mal dazu, bis sie eingeschlafen sind.“ In der Regel gehe das jedoch ganz schnell. Gut ausgeruht starten die Kinder anschließend in das gemeinsame Mittagessen und den weiteren Tagesablauf.
Gemeinsames Essen, Mittagsschlaf, Elterngespräche
Die Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. Morgens gibt es ein Frühstück in Buffetform, bei dem die Kinder gemeinsam mit den Betreuerinnen am Tisch sitzen. Frisches Obst und Gemüse gehören selbstverständlich dazu. Mittags wird gekocht – kindgerecht und orientiert an der Jahreszeit. Dabei achten die beiden auch auf Regionalität und unterstützen unter anderem den Dorfbäcker in Wiblingwerde, bei dem sie regelmäßig ihr Brot kaufen.
Was vielen Eltern nicht bewusst sei: „Die Arbeit in der Kindertagespflege umfasst – genau wie im Kindergarten – auch eine kontinuierliche Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Entwicklung„, erklären die Tagesmütter. Schneider und vom Hofe halten Fortschritte schriftlich fest, beobachten gezielt und tauschen sich regelmäßig mit den Eltern aus. Dank ihrer langjährigen Erfahrung als Erzieherinnen könnten sie gut einschätzen, ob sich ein Kind altersgerecht entwickelt oder ob in bestimmten Bereichen zusätzlicher Förderbedarf besteht. Und dieses Feedback würden sie frühzeitig weiter geben. „So können wir gemeinsam mit den Eltern unterstützen, wenn irgendwo noch Entwicklungsschritte nötig sind – oft schon, bevor das Kind überhaupt in den Kindergarten kommt“, erklären sie.
Neben der täglichen Arbeit gehört auch kontinuierliche Weiterbildung zum Beruf. Tagespflegepersonen sind verpflichtet, regelmäßig an Fortbildungen teilzunehmen. Themen wie Unfallverhütung, Unfallschutz, Kinderschutz und Erste Hilfe am Kind stehen dabei auf dem Programm. Darüber hinaus absolvieren Schneider und vom Hofe jedes Jahr fünf zusätzliche Stunden – je nach Interesse etwa in den Bereichen Ernährung, musische oder ästhetische Bildung. „Das ist uns wichtig, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und unsere Arbeit weiterzuentwickeln“, betonen sie.



