Altena. Es ist eine Auszeichnung, die für Beständigkeit, Können und jahrzehntelange Hingabe steht: Mit 73 Jahren hat der Altenaer Malermeister Paul Heinz Resch den Goldenen Meisterbrief erhalten. Ein Anlass, im Gespräch mit LOKALSTIMME zurückzublicken auf ein bewegtes Berufsleben – und auf eine Familientradition, die inzwischen über ein Jahrhundert umfasst.
In Altena ist der Name Resch untrennbar mit dem Malerhandwerk verbunden. Bereits 1923 gründete Paul Carl Resch den Familienbetrieb, der später von seinem Sohn Paul Hermann übernommen wurde – und schließlich von Paul Heinz Resch selbst. Heute gehört der Malerbetrieb dessen Sohn Sebastian – vier Generationen und eine Leidenschaft für Farbe, Gestaltung und handwerkliche Präzision.
Der junge Paul Resch hatte aber ursprünglich ganz andere Pläne. „Ich wollte Postbeamter werden“, erinnert er sich schmunzelnd. Sein Onkel arbeitete nämlich bei der Post und trug eine solch schöne Uniform mit silbernen Knöpfen, „die fand ich toll, die wollte ich auch“, erzählt der heute 73-Jährige. Doch wie es damals so war, setzte sich der Wunsch seines Vaters Paul Hermann durch: Der Sohn sollte ins Handwerk gehen. Und so begann Paul Resch am 1. April 1966 , noch 13 Jahre alt, seine Lehre. Wenige Wochen später wurde er 14 – ein Alter, in dem damals viele Jugendliche bereits arbeiten gingen.
Erst zur Bundeswehr und dann zur Meisterschule
Schnell zeigte sich: Das Talent lag ihm im Blut. „Die Arbeit fiel mir leicht und machte mir Spaß“, sagt Resch rückblickend. Nach einer gewissen Zeit als Geselle wollte er den nächsten Schritt gehen und sich zum Meister weiterbilden. Doch zunächst kam die Bundeswehr dazwischen. Mit 20 Jahren wurde er eingezogen und leistete 15 Monate Dienst. Danach kehrte er zurück – und griff wieder zum Pinsel. 1975 wurde er schließlich zur Meisterschule in Arnsberg zugelassen, die er in Vollzeit absolvierte. Und damit war der Grundstein für eine lange und erfolgreiche Karriere gelegt.
Über Jahrzehnte prägte Paul Heinz Resch das Stadtbild von Altena mit. Besonders Fassadenanstriche hatten es ihm angetan. „Man war draußen, an der frischen Luft“, erzählt er. Wie viele Häuser er gestrichen hat, kann er längst nicht mehr zählen – Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, ganze Straßenzüge. „Unser Betrieb hat sicher die meisten Quadratmeter Fassade in Altena gestrichen.“
Ein Arbeitsplatz lag ihm besonders am Herzen: die Burg Altena. Hier ist der Malermeisterbetrieb Resch bis heute im Einsatz. Die Arbeit an historischen Mauern, Wehrgängen und Treppen erfordert Fingerspitzengefühl und Respekt vor dem Denkmalschutz. „Alles muss authentisch bleiben – das ist spannend und herausfordernd zugleich.“ Gerade diese Abwechslung war es, die Paul Resch an seinem Beruf liebte. Immer neue Baustellen, unterschiedliche Anforderungen, wechselnde Menschen. „Ich hätte mir nie vorstellen können, mein Leben in einer Produktionshalle zu verbringen“, sagt er. 2014 übergab er den Betrieb an seinen Sohn Sebastian – natürlich mit zweitem Vornamen Paul. Auch er fand, nach einem kurzen Umweg in eine andere berufliche Richtung, schließlich den Weg zurück ins Familienhandwerk.
Heute genießt Paul Heinz Resch sein Rentnerleben, so gut es geht. Seine Zeit widmet er vor allem seiner Ehefrau, die seit einigen Jahren schwer erkrankt ist. Gemeinsam haben sie ihr Zuhause an der Ackerstraße entsprechend umgebaut. Hinter dem Haus lädt eine große Terrasse zum Verweilen ein. Und auch das Reisen gehört weiterhin zu ihrem Leben. Mehrmals im Jahr zieht es das Ehepaar nach Ungarn, nach Gran Canaria und an den Sorpesee.
Resch rät jungen Menschen zu Praktikum
Wenn Resch auf seine lange Laufbahn zurückblickt, sieht er auch Veränderungen im Handwerk. „Ich glaube, dass es heute wieder mehr geschätzt wird“, sagt er. Fachkräfte seien rar geworden. Während es früher in Altena rund 20 Malerbetriebe gab, lasse sich ihre Zahl heute „an einer Hand abzählen“. Jungen Menschen, die sich für den Beruf interessieren, gibt er einen klaren Rat: erst ausprobieren. „Ein Praktikum ist wichtig, um zu sehen, ob es wirklich passt.“ Und: Höhenangst sollte man besser nicht haben. Für ihn selbst steht fest: „Es ist ein schöner, farbiger Beruf. Man kommt viel herum und hat immer wieder neue Herausforderungen.“
Mit dem Goldenen Meisterbrief wird nun ein Lebenswerk gewürdigt, das nicht nur von handwerklichem Können zeugt, sondern auch von Beständigkeit, Leidenschaft und einer tiefen Verbundenheit zur Heimatstadt Altena.



