Altena. Schriftstellerin Lena Schätte ist gespannt darauf, ihre Romanfiguren bald auf der Bühne zu erleben. Das Theater Oberhausen bringt „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ in einer besonderen Inszenierung auf die Bühne.
Die Idee dazu kam vom Theater Oberhausen, das auf Lena Schättes Verlag zuging und Interesse an ihrem autofiktionalen Roman bekundete. Nach einem ersten Kennenlernen und einem Vorgespräch sei es schnell konkret geworden, berichtet die Autorin im Gespräch mit LOKALSTIMME. Besonders reizvoll findet sie die Art, wie das Stück entsteht. Amateurdarsteller aus Oberhausen und Umgebung erarbeiten den Stoff aus dem erfolgreichen Roman der Altenaerin in Workshops und gestalten die Aufführung aktiv mit. Sie können eigene Perspektiven einbringen und die Inszenierung mitgestalten. Manche der Mitwirkenden haben einen biografischen Bezug zum Thema oder zum Stoff, andere reizt vor allem die Lust am Spiel und die besondere Situation auf der Bühne. Gerade diese unterschiedlichen Zugänge machen das Projekt für Lena Schätte spannend.
„Ich glaube, das wird emotional“
Schätte steht mit dem Theater in Kontakt und verfolgt die Entwicklung des Projekts. Bei einer Lesung im Literaturhaus Oberhausen konnte sie bereits einige Menschen kennenlernen, die an der Aufführung beteiligt sind. Vor der Premiere möchte sie noch einmal die Proben besuchen und sich einen Eindruck von der Inszenierung verschaffen. „Ich glaube, das wird emotional, die eigenen Figuren so verkörpert in Bewegung zu sehen“, sagt sie. Sie freue sich sehr darauf und sei gespannt, was aus der gemeinsamen Arbeit entsteht. Die Uraufführung in einer Fassung der Dramaturgin Katharina Bill ist am 7. November, allerdings ist die Vorstellung bereits ausverkauft. Wer das Stück sehen möchte, kann für die Aufführung am 22. November, um 18 Uhr, beim Theater Oberhausen noch Tickets kaufen.

Die Rückseite von Lena Schättes Roman bildet einen Textauszug sowie eine Jury-Begründung zur Verleihung des W.-G.-Sebald-Literaturpreises an die Altenaer Autorin ab.
Roman bereits in mehrere Sprachen übersetzt
In ihrem Roman erzählt die Altenaer Autorin von Motte, die mit einem alkoholkranken Vater aufwächst und später selbst in die Abhängigkeit gerät. Es geht um familiäre Verstrickungen, Scham und die Frage, wie sehr die eigene Herkunft das Leben prägt. Die Geschichte handelt auch von der Liebe zu einem Menschen, der einem das Leben schwer gemacht hat. Der Erfolg ihres Romans „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ reicht inzwischen über die deutschen Sprachgrenzen hinaus: Die Rechte wurden unter anderem nach Dänemark, in die Niederlande und nach Südkorea verkauft.
Auch persönlich erlebt Lena Schätte ein außergewöhnliches Jahr. Im Juni 2026 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis und den Publikumspreis für ihren bislang unveröffentlichten Text „Was wir tragen“. Juror Thomas Strässle lobte dessen „existenzielle Wucht“ und hob hervor, dass Schätte Ausgrenzung und Selbstbehauptung in eindringlichen Szenen und universellen Bildern verdichte, ohne anklagend oder belehrend zu werden
Neue Aufgabe als Burgschreiberin
Über Oberhausen hinaus stehen für Lena Schätte neue Erfahrungen an. Im Frühjahr 2027 wird sie als Burgschreiberin auf der Burg Beeskow in Brandenburg leben und arbeiten. An der Aufgabe reizt sie besonders, an einem schönen Ort schreiben zu können und zugleich das Umland und die Kulturszene kennenzulernen. Viel unterwegs zu sein, daran sei sie inzwischen gewöhnt. „Das Autorenleben ist abwechslungsreich, hat aber auch chaotische und nervige Seiten“, sagt sie. Doch gerade das mache es für sie aus: immer wieder Neues zu sehen, sich von Orten überraschen zu lassen und viele Menschen aus der Literaturwelt zu treffen.



