Altena/Nachrodt-Wiblingwerde. Harter Einschnitt in der evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Mark: Die Kirchengebäude in Nachrodt, Wiblingwerde und im Altenaer Mühlendorf werden aufgegeben. Das Gemeindeleben soll sich künftig auf die Lutherkirche konzentrieren.
Es war ein bewegter Abend, an dem der große Saal des Lutherhauses in Altena fast aus allen Nähten platzte. Zahlreiche Gemeindemitglieder aus Altena und Nachrodt-Wiblingwerde waren am Dienstag zur Gemeindeversammlung der Evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Mark zusammengekommen, um zu erfahren, welche kirchlichen Gebäude eine Zukunft haben und welche als Abschiedsgebäude eingestuft werden.
Vor welch gewaltigen finanziellen Herausforderungen die Gemeinde auch durch strukturelle Veränderungen innerhalb des Kirchenkreises dabei steht, machten Superintendent Oliver Günther, Pfarrerin Mara Roth, Kay Kürschner vom Presbyterium sowie Gemeindepädagogin Annedore Weidlich und Gemeindepädagoge Jörg Chilla vom Interprofessionellen Pastoralteam direkt zu Beginn deutlich. Denn was mit der zuversichtlichen Fusion der Kirchengemeinden Altena, Nachrodt-Obstfeld und Wiblingwerde 2023 begann, wurde für die daraus entstandene Trinitatis-Kirchengemeinde Mark mit einem massiven Haushaltsdefizit zur schnellen Ernüchterung.
Verstärkt wird dieser Druck durch einen massiven Mitgliederschwund: Allein seit 2019 bis heute verlor die Gemeinde rund 1000 Mitglieder. Es ist ein lokaler Rückgang, der einen bundesweiten Trend widerspiegelt, wie auch aktuelle Zahlen der Tagesschau belegen. Im Jahr 2025 kehrten demnach etwa 1,2 Millionen Menschen der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland durch Austritt oder Versterben den Rücken. Im Fall der Trinitatis-Kirchengemeinde Mark verdrängten finanzielle Aspekte den Plan, die ursprünglichen Standorte mit lebendigem Gemeindeleben und drei geplanten Personalstellen dauerhaft zu erhalten durch die Kosten zur Gebäudeunterhaltung, die mehr als 100 Prozent der kirchlichen Zuweisungen verschlangen.
Strukturelle Realität und schmerzhafte Beschlüsse
Nach einem sorgfältigen Prozess, intensiven vorangegangenen Beratungen im Bau- und Finanzausschuss und langem Ringen traf das Presbyterium eine mehrheitliche Entscheidung zu einem zentralen Standort, die nicht leichtfiel. Kriterien wie eine gute Erreichbarkeit, ein geeigneter Gottesdienstraum, Strahlkraft oder multifunktionale Gemeinderäume bildeten die Grundlage. Auch der synodale Prozess „Transformation 2035“ des Kirchenkreises spielte bei den Überlegungen eine wichtige Rolle. Als Mara Roth den Beschluss verlas, war vielen im Saal die Enttäuschung deutlich anzumerken. So sollen künftig die Lutherkirche und das Lutherhaus in Altena als zentrale Zukunftsgebäude für das evangelische Gemeindeleben in der Region weiterentwickelt werden. Folgende kirchliche Gebäude wurden demnach als Abschiedsgebäude eingestuft: Die Kirche Mühlendorf mit den Gemeinderäumen, die Kirche Nachrodt, inklusive Pfarr- und Gemeindehaus, sowie in Wiblingwerde die Johanneskirche samt Gemeinde-, Pfarr- und Küsterhaus.

Zur Gemeindeversammlung der Evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Mark mit (v.li.) Jörg Chilla, Kay Kürschner, Mara Roth und Annedore Weidlich war auch Superintendent Oliver Günther im Altenaer Lutherhaus zu Gast. Foto: Nina Tripp
Grund zur Hoffnung machten mögliche Zukunftsperspektiven der Gebäude, die in einem anschließenden aktiven Austausch im Lutherhaus lebhaft diskutiert wurden. Denn nach dem ersten Schock wich der Frust versöhnlicheren Tönen und einer spürbaren Bereitschaft, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Da die Planung zu konkreten Nutzungsmöglichkeiten noch aussteht, soll Raum für neue Ideen entstehen, die in den kommenden Monaten mit vielen Beteiligten entwickelt werden sollen. Zudem bleiben alle Gebäude bis Februar 2028 bis auf Weiteres in gemeindlicher Nutzung. Wie Superintendent Oliver Günther im Dialog betonte, sollen zudem die kommenden zwei Jahre genutzt werden, um tragfähige Konzepte zu entwickeln und gleichzeitig Inhalte einer lebendigen Gemeindearbeit weiterzudenken.
Beratungsprozesse mit Zukunftswerkstatt
Vorgesehen sind dafür vier parallel verlaufende Beratungsprozesse, die Visionen für eine Neugestaltung öffnen sollen. Während für die Abschiedsgebäude-Komplexe in Wiblingwerde, Nachrodt und Mühlendorf jeweils eigene Beratungen über künftige Nutzungen und Trägerschafts-Perspektiven angestoßen werden, startet zusätzlich eine übergeordnete Zukunftswerkstatt. Ziel des christlichen Miteinanders ist es demnach, die Lutherkirche und das Lutherhaus in Altena als pulsierenden Mittelpunkt für das evangelische Leben in der gesamten Region zu profilieren, der weit über die Stadtgrenzen hinausreicht.
Der Tenor einer lebendigen Kirche und die ausdrückliche Einladung des Presbyteriums, den Prozess mit Fachwissen und Herzblut mitzugestalten, unterstrichen am Ende der Versammlung, dass tragfähige Perspektiven nur durch gemeinschaftliches Ehrenamt und jenen großen Zusammenhalt entstehen können, der an diesem Abend im Lutherhaus bereits deutlich spürbar waren.
Zum Auftakt der Beratungen sind folgende Termine angesetzt:
- 15. April, 19 Uhr: Gemeindehaus Nachrodt
- 21. April, 19 Uhr: Gemeindehaus Wiblingwerde
- 28. April, 19 Uhr: Gemeindehaus Mühlendorf
- 5. September,19 Uhr: Zukunftswerkstatt im Lutherhaus
Interessierte können sich über den folgenden Link für eine Beteiligung registrieren: https://forms.office.com/e/iAf7e0aDxt.



