Altena. Ein Jahr, das Klarheit bringt: Für Irem Erduran aus Altena ist ihr Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) am Burggymnasium Altena weit mehr als nur ein soziales Engagement. Die 18-Jährige nutzt die Zeit ganz bewusst zur Berufsorientierung – und hat dabei herausgefunden, welchen Weg sie künftig einschlagen möchte.
Seit nunmehr rund sechs Monaten unterstützt Irem Erduran den Schulalltag am Burggymnasium Altena (BGA). Für die stellvertretende Schulleiterin, Natalie Godefroid, ist das ein großer Vorteil: „Irem kennt die Stadt und die Kinder vor Ort, was ihr den Einstieg erleichtert und ihr eine besondere Nähe zu den Schülerinnen und Schülern verleiht“. Irem selbst ist in Altena aufgewachsen und besuchte die Gesamtschule in Hemer. „Dass sie nicht selbst am Burggymnasium zur Schule gegangen ist, ist ein weiterer Vorteil“, erklärt Godefroid. „So entsteht ein echtes Kollegengefühl – sie ist nicht die ehemalige Schülerin, sondern eine neue, verlässliche Unterstützung für die Lehrkräfte.“
Bufdi unterstützt Kinder mit besonderem Förderbedarf
Eingesetzt wird Irem vor allem in den Sechserklassen. Dort unterstützt sie Kinder mit besonderem Förderbedarf, hilft ihnen, im Unterricht konzentriert zu bleiben, und kümmert sich um sozial auffällige Schülerinnen und Schüler. „Sie übernimmt fast die Arbeit einer Sozialarbeiterin“, beschreibt Godefroid. Ob Kinder einmal aus dem Unterricht geholt werden müssen, um sich mit Spielen, Atemübungen oder einem kleinen Spaziergang zu beruhigen, oder wenn sie einfach mal weinen – Irem sei für die Kinder da.
Und Irem selbst erzählt: „Die Kinder haben alle unterschiedliche Charaktere. Bei gewissen Vorfällen muss ich spontan, offen, sehr empathisch und geduldig reagieren.“ Das habe sie nach und nach gelernt und werde immer besser darin“. Und wenn sie selbst einmal mit Geschichten oder Problemen der Kinder überfordert sei, könne sie sich an einen Beratungslehrer wenden, der ihr zuhöre und Tipps gebe.
Neben dem Unterricht begleitet Irem auch Projekte, Wandertage und Austauschschüler. Außerdem unterstützt sie in der Hausaufgabenbetreuung, in der bewegten Mittagspause auf dem Flieger, dem unteren Schulhof des BGA, und überall dort, wo akuter Bedarf in der Sekundarstufe I besteht. Ihr Arbeitstag beginnt um 7:45 Uhr und endet um 15 Uhr. Dafür erhält sie ein Taschengeld von bis zu 600 Euro pro Monat.
Eine wichtige Phase der Selbstfindung
Besonders wichtig für Irem ist der Abschluss ihres Bufdi: Sie hat im Juli nach der Klasse 12 aufgehört, sodass sie bisher nur den schulischen Teil der Fachhochschulreife abgeschlossen hat. Das Bufdi dient als praktischer Teil der Fachhochschulreife und ist notwendig, um überhaupt studieren zu können – deshalb muss sie das Jahr durchziehen. Während des Bufdi erhält sie ein Zwischenzeugnis, und am Ende stellt die Bezirksregierung das Abschlusszeugnis aus. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass alle erforderlichen Kompetenzen nachgewiesen wurden: soziale Kompetenz, Teamfähigkeit, Selbstständigkeit und weitere wichtige Fähigkeiten.
Für Irem ist diese Zeit eine wichtige Phase der Selbstfindung. Obwohl sie ihre Arbeit am Burggymnasium sehr schätzt, hat sie festgestellt, dass der soziale Bereich nicht ihr beruflicher Weg sein wird. „Es macht Spaß, aber ich möchte mein Leben lang nicht in diesem Bereich arbeiten“, sagt sie im Gespräch mit LOKALSTIMME. Im Anschluss an ihr Bufdi wird sie ein duales Studium im Bereich Betriebswirtschaftslehre beginnen.
Irem kann das Bufdi am Burggymnasium aber auf jeden Fall weiterempfehlen: „Es hilft bei der Berufsfindung und man kann klar erkennen, was man wirklich möchte“, betont sie. Gleichzeitig sucht das BGA schon neue Bufdis für das kommende Jahr – diesmal sind zwei Stellen frei. Interessierte können sich per E-Mail mit kurzem Anschreiben und Lebenslauf bei Natalie Godefroid bewerben: godefroid@burggymnasium-altena.de.



