Altena/Märkischer Kreis. Wie aus dem Nichts taucht der Adler in der Dunkelheit auf: Anscheinend aus der Erde steigt das Wappentier, prächtig rot und gold, vom Fuß der Mauern an Pulverturm und Altem Palas empor. — Nur eine Szene aus dem Bewegtbilderzyklus des Künstlerkollektivs um Tom Groll. Seit Samstagabend (5. Dezember) ist die Architekturprojektion wortwörtlich auf der Burg Altena zu sehen ist.

Es ist Teil II der Kulturaktion Glanzlicht, die am Samstagabend bei strömendem Regen angeschaltet wird. Die Außenmauern der Höhenburg auf dem Felssporn über dem Altenaer Lennetal sind bereits seit einer Woche in Szene gesetzt. Rot, Blau und Grün sind die dominanten Farben. Sie stehen für Feuer, Wasser und Wälder – der Dreiklang, der das märkische Sauerland einst mit seinem Raseneisenerz zum wichtigen Industriegebiet machte, lange bevor im Ruhrgebiet Kohle gefördert und Stahl gekocht wird.

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An diese Zeit, in der die Basis für das Leben und Arbeiten in Altena wie in weiten Teilen des Sauerlands gelegt wurde, und die teils bis heute wirkt, knüpft Teil II des Glanzlichts an – in einer erstaunlichen wie faszinierenden Bilderreise. Mit den Mauern des Pulverturms und des Alten Palas‘ im oberen Burghof als Projektionsfläche.

Feste Mauern, die gen Himmel zu fliehen scheinen

Es sind 13 Minuten. 13 Minuten einer Bilderreise, die Themen aufgreift, die die Märkischen Museen in ihren Exponaten zeigen, oder die in der heimischen Industrie aufgenommen wurden. 13 Minuten, die den Weg hinauf in den Burghof lohnen, egal ob zu Fuß oder mit dem Aufzug.

13 Minuten, in denen Funken aus der Metallverarbeitung auf den Burgmauern aufsteigen, Draht sich wie ein Raster über die Gebäude legt, Flammen auflodern und heißes Metall fließt. 13 Minuten, in denen martialische Schlingen von Stacheldraht von rankendem Grün überwuchert werden, in denen Reliefoberflächen über die Gebäudewand projiziert werden und die festen Mauern von Palas und Pulverturm aufzusteigen und in den Himmel zu fliehen scheinen. 13 Minuten, in denen sich Bilder von Ritterrüstungen, Wappenfenstern und Altarabbildungen überblenden und abwechseln, bis zum Ende die Auffahrt über die Fritz-Thomee-Straße zur Burg die Bilderreise dort beendet, wo sie gezeigt wird.

120 Arbeitsstunden alleine für den Schnitt

13 Minuten aus insgesamt 20 Stunden Bildmaterial, wie Tom Groll und Kuno Seltmann berichten. 13 Minuten, die nach rund 120 Arbeitsstunden für den Schnitt entstanden sind. Und die perfekt geworden sind. 13 Minuten, mit denen die vergleichsweise junge Gattung Kunst mit Licht erstmals die Burg Altena erobert. „Im künstlerischen Schaffensprozess verweben sich zeitgeschichtlich, fragmentarische Bildwelten des Burginventars mit filmisch elementaren Werdungsprozessen”, beschreibt Tom Groll.

13 Minuten, für die das Künstlerkollektiv seit März gearbeitet hat. „Das ist ein gewaltiges Projekt – das entwickelt man nicht alleine“, berichtete Lichtkünstler Tom Groll, u. a. Co-Kurator des Lüdenscheider Festivals zur Licht in Kunst und Architektur „LichtRouten“ seit 2002, über die Anfänge der Projektion für die Burg Altena. Mit Kuno Seltmann und Licht-Punk alias Matthias Boeser hat er gemeinsam den Bilderzyklus geschaffen; Sam Khatam hat den Sound dazu geschrieben: sphärische Klänge, die die Bilder verstärken. Die Lichttechnik besorgt das Lüdenscheider Unternehmen Live Sound.

„Highlight für Altena”

Als „Highlight für Altena“ bezeichnete Landrat Marco Voge vor dem Anschalten des Hochleistungsbeamers mit 30.000 Watt, der die Bilder auf die Mauern projiziert, die Aktion: Kunst im öffentlichen Raum in der Burgstadt, auch um ein bisschen die Flutkatastrophe vom Juli vergessen zu machen. Dass auch dieser Teil der Aktion Glanzlicht weit über die Burgstadt strahlen dürfte, war sich der Landrat sicher: Schon in der vergangenen Woche sei die Burg mit den illuminierten Außenmauern in den sozialen Medien vielfach Thema gewesen.

Voge dankte dem Team des Kreiskulturamts und der Vorsitzenden des Stiftungsrats der Märkischen Kulturstiftung Burg Altena und zugleich Vorsitzende des Kreiskulturausschusses, Renate Schulte-Fiesel (Iserlohn); die Stiftung habe die Kunstaktion möglich gemacht.

Teil II des Glanzlichts mit dem Titel „Fundamental” ist bis zum 18. Dezember jeweils ab Einbruch der Dunkelheit im oberen Burghof zu sehen; die Öffnungszeiten des oberen Burghofes sind: sonntags bis donnerstags bis 20 Uhr, freitags und samstags bis 21 Uhr. Beim Zutritt in den oberen Hof gilt aktuell die 2G-Regel.

Fotos: Björn Braun

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