Altena/Werdohl. Eine Landmarke verschwindet: Das ausgediente Kohlekraftwerk von Mark‑E in Elverlingsen könnte schon bald Geschichte sein. Der Hagener Energieversorger will Teile des Kraftswerksgeländes an einen Investor abgeben, der dann auch für einen Abriss der Kraftwerksbauten sorgen soll.

Über das Vorhaben hat Mark‑E am Dienstag (21. September) Vertreter der Stadt Werdohl, auf dessen Gebiet jenseits der Altenaer Stadtgrenze das Kraftwerksgelände liegt, informiert. Am Mittwoch (22. September) hat das Hagener Energieunternehmen in einer Mitteilung auch gegenüber der Öffentlichkeit die Pläne für eine zukünftige Nutzung offen gelegt.

Demnach hat Mark‑E vor, rund 20 Hektar des Kraftwerksgeländes an einen externen Investor abzugeben; der Investor soll dann für eine Nachnutzung sorgen, was einen Abriss oder eine Sprengung des eigentlichen Kraftwerks womöglich zur Folge hätte. Die hohen Kamine und die Gebäude der Kohlekraftwerksblöcke würden dann verschwinden — und mit ihnen eine Landmarke: Die in den 1970er- und 1980er-Jahren errichteten Schlote sind 200 und fast 280 Meter hoch und dominieren das enge Tal in der Lenneschleife an der Grenze von Altena und Werdohl. Dazu ragt der dicke Kühlturm in den Himmel auf.

Steinkohleblöcke 2014 und 2018 stillgelegt

Rauch und Dampf steigen aus den Schornsteinen und dem Kühlturm schon länger nicht mehr auf. In den Jahren 2014 und 2018 hat Mark‑E die letzten Steinkohleblöcke der Stromerzeugung stillgelegt; die Entscheidung dazu war in den Jahren zuvor gefallen, als das Gesamtunternehmen finanziell schwer angeschlagen war und mit den Folgen der Energiewende und dem Hin und Her von Atomausstieg, Laufzeiten-Verlängerung und doch wieder ‑Verkürzung der Bundespolitik kämpfte.

Rund die Hälfte der 42 Hektar Kraftwerksgelände sollen jetzt an einen Investor abgegeben werden. Weiter bestehen bleiben demnach die Wirbelschichtfeuerungsanlage (WFA, eine Klärschlammverbrennung gemeinsam mit dem Ruhrverband), die Gasturbinenanlagen, eine Phosphorgewinnungsanlage des Recyclingriesen und Enervie-Mitgesellschafters Remondis aus Lünen, ein Batteriespeicher (errichtet 2018) sowie das Umspannwerk, das die Mark-E- Schwestergesellschaft „Enervie vernetzt” weiterhin benötigt.

Vertragsunterzeichnung Anfang 2022

Der Kraftwerksstandort in Elverlingsen geht auf das Jahr 1912 zurück. Anfang Januar 2022 soll jetzt, so der Zeitplan der Mark‑E, ein Vertrag mit einem Investor geschlossen werden und die Teilfläche des Kraftwerksgeländes abgegeben werden und die Fläche damit einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Mark‑E ist eine 100%-ige Tochtergesellschaft der Enervie, die aus dem Zusammenschluss der Stadtwerke Lüdenscheid (SWL) und Mark‑E im Jahr 2006 entstanden ist. Die drei größten Gesellschafter von Enervie sind die Stadt Hagen (42,66 Prozent), die Stadt Lüdenscheid (24,12 %) und das Lüner Abfall-und Recyclingunternehmen Remondis (19,06 %). Zahlreiche Städte und Gemeinden sind Kleinaktionäre — darunter auch die Stadt Altena mit 4,4 Prozent Anteilen.

Die Mitteilung von Mark‑E im Wortlaut:

„Mark‑E hat im Rahmen einer Informationsveranstaltung am vergangenen Dienstag, dem 21. September 2021, Vertreter der Werdohler Stadtverwaltung und Kommunalpolitik über den aktuellen Stand der Planungen zur Zukunft des Kraftwerksstandortes Elverlingsen informiert. Eine Delegation unter Vorsitz von Werdohls Bürgermeister Andreas Späinghaus wurde auf dem Mark‑E Gelände von Markus F. Schmidt, CDO — Chief Development Officer (Geschäftsführer für Strategie und Entwicklung; Anm. d. Red)  sowie Projektverantwortlichen begrüßt und erhielt Informationen aus erster Hand.

Von der insgesamt rund 42 Hektar großen Fläche will Mark‑E zukünftig etwa 20 Hektar im südlichen Bereich des Areals zur Verfügung stellen. Hiervon sind wiederum rund 15 Hektar für eine Nachnutzung geeignet. Der übrige Bereich wird weiterhin unter anderem für den Betrieb der Wirbelschichtfeuerungsanlage (WFA, gemeinsam mit dem Ruhrverband), der Gasturbinenanlagen, der Phosphorgewinnungsanlage von Remondis, des Batteriespeichers sowie des Umspannwerks der ‚Enervie vernetzt’ benötigt.

Für die zu vermarktenden Grundstücke soll nun ein Projektentwickler gefunden werden, der sich im besten Fall sowohl um den Abriss des ehemaligen Kohlekraftwerksbereiches als auch um die Neuentwicklung – dies beinhaltet Konzeption, Erschließung, Vermarktung – des Standortes kümmert. Ziel ist dabei eine spätere Nutzung als Industrie- und Gewerbefläche.

Die hierzu notwendigen infrastrukturellen Maßnahmen seitens Mark‑E sind weitgehend abgeschlossen: So wurde die ehemalige Siedlung Elverlingsen in der Nähe des Kraftwerksstandortes bis zum Frühjahr 2021 abgerissen. Auch wesentliche Arbeiten im Kraftwerksbereich wie die Entkernung des Einlaufbauwerkes und der teilweise Rückbau der Kohletransporteinrichtungen wurden bereits durchgeführt. Derzeit läuft unter anderem die technische Trennung von Versorgungsleitungen (Entflechtung).

Im laufenden Bieterverfahren haben sich mehrere Interessenten gemeldet, ein konkreter Abschluss eines Kaufvertrages ist für Anfang des kommenden Jahres geplant. Mark‑E steht beim gesamten Standortentwicklungsprozess in enger Abstimmung mit der Stadt Werdohl.”

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