Altena/Nachrodt-Wiblingwerde. Schulpolitik, die im Fall der Ausstattung der künftigen Jahrgangsstufe 5 der Sekundarschule mit Tablets auf reinem Glück beruht: Das werfen die Grünen der Altenaer Stadtverwaltung um Bürgermeister Uwe Kober und der schwarz-roten Ratsmehrheit vor.

Die Vorlage für die Kritik von Grünen-Fraktionschef Oliver Held lieferte die Verwaltung praktisch selber — mit ihrer Beschlussvorlage für den Hauptausschuss, der am Montag (17. Mai) zusammenkam. Einziger Beratungspunkt im öffentlichen Sitzungsteil: Die Eingangsklassen an der Sekundarschule Altena/Nachrodt-Wiblingwerde, die dort nach den Sommerferien starten, sollen als Pilotprojekt als Tablet-Klassen beginnen. Die Schüler/innen sollen, unabhängig vom Distanzunterricht durch die Corona-Pandemie, mit Tablets als mobilen Endgeräten ausgestattet werden und mit tragbaren Computern in DIN-A-4-Heftgröße lernen und damit unterrichtet werden.

Bleibt die Frage der Finanzierung der Tablets. Weil es dazu keine Mittel im laufenden Etat gibt, schlägt die Verwaltung vor, die bislang in allen Jahrgangsstufen eingesetzten und aus den Corona-Sofortprogrammen angeschafften Tablets einzusammeln und nach den Sommerferien in den neuen 5er-Klassen der Sekundarschule auszugeben. Und genau daran entzündet sich die Kritik der Grünen.

Antrag der Grünen abgelehnt

Denn es waren die Grünen, die noch in den Haushaltsberatungen Ende Januar geforderten hatten, zusätzliche Mittel für die Digitalisierung der Schulen einzuplanen: 200.000 Euro. Das hatten CDU und SPD damals abgelehnt; auch einem Kompromiss der Grünen (100.000 Euro mit Sperrvermerk) wollten sie nicht folgen. „Ich finde es ausgesprochen schade, dass wir jetzt in dieser Situation stecken”, kommentierte Oliver Held das Vorhaben, auf die aus dem Sonderprogramm angeschafften Tablets zurückzugreifen, denn: Das funktioniere nur, wenn sich die Corona-Situation nach den Sommerferien wirklich deutlich verbessert habe und der Unterricht wieder flächendeckend in der Schule stattfinde statt auch zu Hause.

„Das Vorhaben steht auf wackeligen Füßen”, urteilte Held daher und konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen, dass Talkshow-Moderatoren und ‑Gäste wie Sandra Maischberger und Karl Lauterbach ja bei Altenas Bürgermeister Uwe Kober hätten anfragen können, wann die Corona-Pandemie zu Ende ist: Kober wisse ja offenbar, dass nach den Sommerferien alles besser sei. „Ich wünsche viel Glück”, so Oliver Held zu dieser Aussicht.

Können sich alle Eltern die Anschaffung leisten?

Held nutzte die Kritik zugleich, um die neue Ratsmehrheit aus CDU und SPD aufzurufen, wieder zu einem „konstruktiven Miteinander” zurückzukehren und Vorschläge und Anträge anderer Parteien nicht generell abzulehnen.

Kämmerer Stefan Kemper, der auch für Schulen in der Stadtverwaltung zuständig ist, hatte zuvor noch versucht, das Vorhaben mit der gewonnen Zeit zu begründen: Die Geräte aus dem Sofortprogramm seien schon vorhanden und müssten nicht erst noch bestellt werden.

Zustimmung zur Kritik der Grünen kam von Christian Kißler von der Linkspartei: „Wenn Corona nach den Sommerferien nicht vorbei ist, funktioniert der Plan der Verwaltung nicht”. Er warf auch die Frage auf, wie viele Eltern sich womöglich eine Teilmitfinanzierung der Geräte nicht leisten können.

Sonja Reckschmidt, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU und Vorsitzende des Schulausschusses, versuchte sich in Diplomatie und wollte die Positionen zusammenbringen: „Lassen Sie uns das Vorhaben positiv angehen. Die Digitalisierung der Schulen wird uns noch weiter beschäftigen”.

Am Ende der gut 30-minütigen Diskussion gab es Zustimmung von CDU, SPD, SDA (Soziale und demokratische Alternative) und FDP zu dem Vorhaben; Grüne und Linke — zusammen vier Stimmen — enthielten sich.

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Archivfoto: Björn Braun

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