Liebe Leserin, lieber Leser,

die allermeisten haben es gemerkt: Dieser Bericht über die angeblich erneut verschobene Eröffnung der neuen Fußgängerbrücke über die Lenne am 1. April war — ein April-Scherz.

Die Redaktion versucht Sie an 365 Tagen im Jahr, im besten Fall rund um die Uhr, sachlich, objektiv, neutral und unaufgeregt zu informieren. Damit Sie wissen, was vor Ort passiert und wichtig ist. Und sich eine eigene Meinung bilden können.

Einmal im Jahr dürfen aaber auch wir ein bisschen über die Strenge schlagen und versuchen, Sie in den April zu schicken. Wir hoffen, Sie hatten beim Lesen unserer Geschichte zum 1. April genau so viel Freude, wie wir beim Schreiben.

Wir versprechen: Ab jetzt gibt es wieder Nachrichten, die zutreffen. Ein ganzes Jahr lang. Bis wieder der 1. April im Kalender steht.

Die Redaktion.

Altena. Das darf doch nicht wahr sein: Die Freigabe der neuen Fußgängerbrücke über die Lenne ist abgesagt; die heute geplante Eröffnung – schon wieder – auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Grund: Teile des Bauwerks sind von einem Schädling befallen und daher womöglich nicht mehr standsicher. Eine Horrornachricht für die Stadt an diesem 1. April.

Nach ersten Informationen unserer Redaktion ist der Schädlingsbefall bei einem letzten Kontrollgang am frühen 1. April festgestellt worden. Eine Bestätigung steht noch aus, aber es soll sich um eine noch gefräßigere und damit noch gefährlichen Mutation des Borkenkäfers (auch „Buchdrucker“ genannt, lateinisch: Ips typographus), der vor Jahren in Scharen in die heimischen Fichtenwälder eingefallen ist, handeln. Das zum Stahlkäfer (lat.: Ips chalybsgraphus) mutierte Insekt ist deutlich größer als der Borkenkäfer, verfügt über noch stärkere Beiß- und Kauwerkzeuge und ist an seiner typisch rostbraunen Körperpanzerung zu erkennen; der Borkenkäfer ist kleiner und hat im Vergleich dazu einen schwarzen Körperschild.

„Das hörte sich echt gruselig an!”

Der Befall der Brücke ist durch die typischen Fraßgeräusche aufgefallen: „Das hörte sich echt gruselig an. Als wenn Metall hart auf Metall knarzt“, berichtete ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der namentlich nicht genannt werden will. Bei genauerem Hinsehen seien an Teilen der Stahlkonstruktion dann die Beißspuren und Fraßgänge entdeckt worden.

Ob sich der Verdacht des Schädlingsbefalls bewahrheitet, soll nach unseren Informationen jetzt ein Expertenteam aus Mitgliedern des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), der Brückenkommission des Landesbetriebs Straßen NRW und Wissenschaftlern der Technischen Universität (TU) Dortmund herausfinden; sie erhalten Unterstützung von Forschern der Fakultät Biodiversität und Klimawandel an der Bergischen Universität Wuppertal.

Bis zum Abschluss dieser Untersuchung ist an Freigabe der Brücke nicht zu denken.

„Über die Brücke gehen” mit Ingrid Peters

Katerstimmung statt Partylaune daher auch bei den Verantwortlichen im Rathaus, die die Brückeneröffnung mit einigen Überraschungen für die Bürgerinnen und Bürger geplant hatten. So sollten heute zur Eröffnung die Schlagersängerin Ingrid Peters, flankiert von Bürgermeister Uwe Kober und Bauamtsleiter Roland Balkenhol, vom Bahnhof aus über die Fußgängerbrücke zum Markaner schlendern und dabei gemeinsam Peters großen Hit „Über die Brücke gehen“ — Deutschlands Beitrag zum Grand Prix Eurovision 1986 – singen. Am Markaner hätte der Spielmannszug der Feuerwehr eine in unzähligen Video-Übungsstunden einstudierte Version des Hymne „Brigde over troubled water“ des legendären Duos Simon & Garfunkel intoniert. Und zum Abschluss und Höhepunkt der Feierlichkeiten sollte eine Abordnung von Schiedsrichtern des Fußballkreises Altena-Lüdenscheid auf ihren Arbeitsgeräten die berühmte Titelmelodie aus dem Film „Die Brücke am Kwai“ pfeifen. Das alles findet jetzt nicht statt.

Sternmarsch der Schützen schon im Vorfeld verworfen

Ein Sternmarsch von Schützen der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft war im Vorfeld wegen der Corona-Pandemie bereits verworfen worden: Die Schützen hätten über die Linscheidbrücke, die Fritz-Berg-Brücke, die neue Fußgängerbrücke, die Mittlere Brücke, die Pott-Jost-Brücke, die Steinerne Brücke und die Wacholderbrücke kommend zum Markaner marschieren sollen, begleitet von Spielmannszügen und Musikkapellen, die den Karat-Song „Über sieben Brücken musst Du gehen“ spielen.

Auch war geplant, dass die eigens für die Eröffnungsfeier gedachten Altenaer „Brücken-Brötchen“ einer heimischen Bäckerei kostenfrei verteilt werden, solange der Vorrat reicht. Die Besonderheit der Backwaren: Der Teig war extra lange gelagert und langsam gereift.

Aus dem Rathaus gibt es noch keine offizielle Stellungnahme zu den Horrornachrichten für Altena an diesem 1. April.

Foto: Björn Braun

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