Altena (ots) Eine Seniorin aus Altena ist die Liebesfalle getappt. Sie hat binnen weniger Wochen eine erhebliche Summe Geld ins Ausland überwiesen.

Der Ablauf war typisch. Nach immer wieder demselben Muster fischen „Romance-Scammer” in sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook oder in Partnerbörsen nach einsamen Herzen. Sie reagieren entweder auf Kontaktanzeigen auf Online-Dating-Plattformen oder melden sich ungefragt bei ihren Opfern in sozialen Netzwerken. „Dein Profil gefällt mir”, lautet oft der Eingangssatz.

Erst werfen sie mit Komplimenten um sich, dann folgen sehr schnell Liebesschwüre und Heiratsversprechen. Das passiert oft schon nach wenigen Tagen oder Wochen und ohne dass sich die „Liebenden” jemals Auge in Auge gestanden, geschweige denn umarmt oder geküsst hätten. Sind Vertrauen geschaffen und Hoffnungen geweckt, folgen Geldforderungen. Innerhalb der letzten zehn Tage erstatteten drei Opfer aus dem Märkischen Kreis Anzeigen bei der Polizei.

Im Fall der Altenaerin nahm der Mann im Sommer Kontakt auf. Angeblich musste er nach einer Gasexplosion in der Türkei helfen. Als „Beweis” schickte er der Seniorin einen Zeitungsausschnitt. Dort geriet er in Geldnot …

Spätestens jetzt hätten alle Alarmglocken schrillen müssen. Doch die Opfer sind zu diesem Zeitpunkt bereits so überzeugt von den aufwändig gestrickten Lügengeschichten, dass sie alle Bedenken über Bord werfen. Verhaftungen, Raubüberfälle, totkranke Kinder, Anwaltskosten: Es gibt fast nichts, was die Scammer nicht in ihre Legenden einbauen, um immer mehr Geld abzukassieren.

Immer wieder schoss auch die Altenaerin Geld zu. Als ihre Konten geleert waren, nahm sie einen Kredit auf.

Die aus dem Ausland agierenden Betrüger gehen ein sehr niedriges Risiko ein, erwischt zu werden. Effektiv können sie mit mehreren Opfern gleichzeitig anbandeln. Irgendeiner wird schon weich. Zurück bleiben Menschen mit seelischen Wunden und obendrein hohen finanziellen Verlusten.

Wie kann man sich schützen?

Manchmal hilft es bereits, den Namen des Auserkorenen zu „googeln” — insbesondere bei Kontakten ins Ausland. Bei Allerweltsnamen hilft es gelegentlich, den Namen in Verbindung mit dem Begriff „Romance Scammer” zu suchen. Oft machen sich die Täter nicht einmal die Mühe, ihren Namen zu variieren. Allein ein geschliffenes Deutsch bietet keine Gewähr, nicht an einen Betrüger zu geraten.

Der Betrug funktioniert mit beiden Geschlechtern. Weibliche Scammer verschicken schnell Fotos, in denen sie sich leicht bekleidet präsentieren.

Männliche Scammer behaupten, sie seien Soldat im Auslandseinsatz und präsentieren sich gern in schicker Uniform. Auch Anzugträger kommen gut an. In beiden Fällen lassen sich die Fotos oft mit einer einfachen Rückwärtssuche im Internet finden: Dort stehen dann plötzlich ganz andere Namen am Bild — oder es handelt sich schlicht um käufliche Stockfotos.

Geben Sie im Internet vorsichtig mit Ihren Daten um! Es muss nicht jeder wissen, wann sie geboren sind, wo Sie wohnen oder bei wem Sie in welcher Funktion arbeiten!

Achten Sie auf Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken und in Messengerdiensten.

Verschicken Sie keine Fotos von sich, die sie nicht öffentlich zeigen würden! Sie machen sich sonst erpressbar.

Übernehmen Sie keine „Dienste” für die Fremden, beispielsweise Kontoeröffnungen, Beantragen von irgendwelchen Bescheinigungen oder die Entgegennahme von Paketen. Sie könnten in strafbare Handlungen verwickelt werden!

Glauben Sie keinen überraschend schnellen Liebesschwüren oder Heiratsversprechen!

Wer auf eine solche Betrügerin/einen Betrüger hereingefallen ist, sollte alle Kontakte sofort abbrechen, Chat-Verläufe oder E‑Mail-Verkehr sichern, Zahlungen stoppen und Anzeige erstatten!

Wie die Altenaerin der Polizei erzählte, ist der Betrüger bereits wieder auf dem Datingportal unterwegs.

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