Hemer/Märkischer Kreis. Die Industriegewerkschaft Metall (IGM) ruft die Belegschaft des Sundwiger Messingwerks in Hemer am Mittwoch (17. Februar) zum Warnstreik auf. Die Arbeitnehmervertreter wollen damit gegen den Ausstieg des Betriebs aus der Tarifbindung und mögliche Verschlechterungen für die Beschäftigten protestieren.

+++ UPDATE +++:

Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich mehr als 200 Beschäftigte des Sundwiger Messingwerks an der Protestaktion — für die Gewerkschaft ein Erfolg: „Das Werk steht still”, hieß es.

Fotos (2): IGM

+++ Erstbericht +++:

Der Aufruf zum Warnstreik richtet sich an die Früh- und Spätschicht; der Ausstand soll um 13 Uhr beginnen. Geplant ist ein Protestzug vom Messingwerk an der Hönnetalstraße zum Neuen Markt, teilt die IGM Märkischer Kreis mit; die Kundgebung werde unter den strengen Corona-Vorschriften gewährleistet und sei bei der Kreispolizeibehörde bekannt.

Der Streit um die Tarifbindung beim Sundwiger Messingwerk in Hemer geht mit dem Aufruf zum Warnstreik weiter. Nachdem die neue Eigentümerin, der Finanzinvestor „Deutsche Invest Mittelstand”, das Werk aufgekauft hat, wurde die Tarifbindung an dem Traditions-Standort aufgegeben. „Auf Verhandlungen oder Gespräche mit der örtlichen IG Metall hat der Arbeitgeber dabei verzichtet”, stellt die IGM Märkischer Kreis fest. Deren Erster Bevollmächtigter, Torsten Kasubke, erklärt dazu: „Wir lassen es nicht zu, dass die Corona-Pandemie ausgenutzt wird, um kurzerhand schlechte Arbeitsbedingungen zum Standard zu machen. Das passiert nämlich, wenn Tarifverträge nicht mehr gelten.“

„Kampf um Schutz durch Tarifvertrag”

Nach dem Eigentümerwechsel von Diehl Metall, einem Teilkonzern, der über eine Stiftung geführt wird, hin zum Finanzinvestor, ging die IG Metall in die Öffentlichkeit und machte auf die Geschehnisse in Hemer aufmerksam. Ein danach vereinbartes Gespräch verlief „nicht zufriedenstellend”. „Wir müssen nun der Geschäftsführung und der neuen Eigentümerin gegenüber klarmachen, dass wir uns so ein Verhalten nicht gefallen lassen. Wir werden dafür kämpfen, dass auch in Zukunft alle Beschäftigten unter dem Schutz des Tarifvertrags stehen“, kündigt Torsten Kasubke an. Deshalb auch der Aufruf zum Warnstreik am Mittwoch ab 13 Uhr.

Das Sundwiger Messingwerk hat derzeit rund 350 Beschäftigte; die Anfänge des Unternehmens gehen auf das Ende des 17./den Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Die Internetseite des Messingwerks ist aktuell eine Baustelle; dort gibt es außer einem Luftbild des Werks nur Angaben zu internationalen Notierungen von Metallen und Legierungen.

Foto: Muriel Sauser

Teile diesen Beitrag auf: