Altena/Märkischer Kreis. Die Modernisierung der Märkischen Museen auf der Burg Altena durch Digitalisierung der Ausstellung geht weiter – auch und gerade in der Corona-Zwangspause und daher bisher von Besuchern noch unentdeckt. LOKALSTIMME.DE stellt zwei der aktuellen Neuheiten vor.

Das Stichwort des Projekts: Burg 4.0. Wer jetzt allerdings digital gesteuerte Schutzschilde statt Ritterharnisch oder Kettenhemd erwartet, liegt falsch. Es geht um die Präsentation in der Ausstellung.

Die Ausstellungen in den Burgmuseen zeigen die lokale und regionale Geschichte; sie geben Antworten auf die Fragen, wie wir im Märkischen Sauerland das wurden, was wir sind, und welche Bedeutung die Grafschaft Mark hatte. Alles lange her. Aber teils mit Bedeutung bis heute. Also durchaus sehr wohl wert, nicht in Vergessenheit zu geraten. Aber wie lässt sich Geschichte heute, in einer durch-digitalisierten Welt erzählen, ohne langweilig und verstaubt zu wirken? Genau auf diese Frage antworten die Burg-Museen mit dem Einsatz digitaler Technik oder Technik, die sich durch die Digitalisierung, von den Besuchern selbst bedienen lässt – der Besucher hat nicht nur die Rolle des Betrachters, sondern kann selbst aktiv werden.

Touchscreen statt Tafel

Eine dieser Stationen ist jetzt im Kommandantenhaus, am Übergang vom unteren in den oberen Burghof entstanden. Dort sind, zwischen dem Erd- und dem ersten Obergeschoss, auf einer Zwischenetage das Skelett eines Höhlenbärs, verschiedene Tierknochen und Mineralien, die in der Umgebung gefunden wurden, ausgestellt. Sie erzählen aus alten Zeiten und über das Leben damals. Die üblichen Tafeln, die die Ausstellungsstücke hinter Glas erklären, fehlen allerdings. „Das geht heute so“, sagt Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper, und weist auf einen Touchscreen neben der Vitrine. Auf dem Bildschirm lässt sich, durch das Antippen bestimmter Punkte, die Erklärung in Gang setzen lässt.

Auf dem Bildschirm befindet sich eine Darstellung der Ausstellungstücke in der großen Glasvitrine. Tippt der Besuch auf dem Bildschirm das Bärenskelett an, setzt sich ein Scheinwerfer in Bewegung und strahlt das Skelett in der Ausstellung an. Gleichzeitig erscheinen auf dem Bildschirm die Informationen zu dem Fundstück, wahlweise auf deutsch, englisch oder holländisch. Tippt der Besucher den Tropfstein in der Ausstellungsvitrine an, schwenkt der Lichtkegel, „wie ein Leuchtfinger“, beschreibt Kreisdirektorin Dienstel-Kümper, auf den Kalkstein und auf dem Display gibt es Informationen zu dem besonderen Mineral – und ganz allgemein zu Tropfsteinen und auch gleich zur nahen Dechenhöhle in Iserlohn-Letmathe. Zu manchen Exponaten lassen sich auch kleine wissenschaftliche Filme, etwa aus der WDR-Reihe „Quarks“, aufrufen und auf dem Bildschirm abspielen.

Historischer Streit um die Ruine

Ortswechsel, hinauf in den oberen Burghof und in den Neuen Palas. Die Geschichte der Burg Altena, insbesondere der Wiederaufbau und der teils erbitterte Streit darum Anfang des 20. Jahrhunderts wird dort erzählt. „Zwei Modelle der Burg, die 1906 zu Beginn des Wiederaufbaus hergestellt wurden, dominieren den Raum. Es handelt sich um eine Bestandsaufnahme der Burgruine sowie um ein Projektmodell, das den später verwirklichten Entwurf zeigt“, heißt es in der Erläuterung dazu.

Der damalige Landrat Fritz Thomée und der Architekt Georg Frentzen planten „eine historistische Überbauung der vorhandenen Substanz“; ihre Ideen folgten dabei einer romantisierten Idealvorstellung einer mittelalterlichen Burg. Gegen diese Plänen gab es erheblichen Widerstand und damit einen Streit um den Wiederaufbau. Die Gegner Thomées wollten lieber die Ruine in ihrem damaligen Zustand konservieren und erhalten. Zu den Befürwortern dieser Denkmalpflege gehörten der Hagener Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus und der Münsteraner Kunsthistoriker, Professor Hermann Ehrenberg.

Pistolenduell in den Lenneauen

Der Streit um die Pläne wäre beinahe in einem Pistolenduell, „möglicherweise irgendwo in den Lenneauen“, mutmaßt Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper, zwischen Thomee und Ehrenberg eskaliert. Am Ende entschied Kaiser Wilhelm II. über den Wiederaufbau – und zwar so, wie es zur Haltung des Hohenzollern-Monarchen, der nun nicht wegen Bescheidenheit oder Zurückhaltung, sondern für sein Geltungsbedürfnis und seine Vorliebe zum Militarismus bekannt ist, passt: für die (Wieder-)Aufbaupläne von Thomée und damit gegen den bloßen Erhalt der Runie.

Die Hitzigkeit, mit der die Auseinandersetzung vor mehr als 100 Jahren geführt wurde, lässt sich gut an den Argumenten ablesen, die die beiden Seiten jeweils anführten. Bislang zeigten lediglich Ölgemälde die Protagonisten des historischen Streits. Jetzt werfen Beamer die Argumente an die Wände zwischen den Bildern. Mit greller, weißer Schrift, gestochen scharf, beinahe schneidend, wie in der Auseinandersetzung damals. „Was ein zeitgenössischer Architekt aus der Ruine machen kann, wird vielleicht künstlerischen Wert haben, … aber Wiederherstellung nenne man es nicht“, ätzt 1907 Prof. Dr. Georg Dehio aus Straßburg. „Die Burg soll Heimatliebe wecken und fördern und ein Heimatmuseum aufnehmen“, bleibt Landrat Fritz Thomée seinem Vorhaben treu.

Heute, rund 100 Jahre später, gilt die Festung auf dem Felssporn zwischen Lenne- und Nettetal mit ihren Museen als eine „der schönsten Höhenburgen Deutschlands“ und ist Sitz der Weltjugendherberge. Jetzt auch mit zunehmend digital und multimedial ausgerüsteter Ausstellung. Bereits seit Jahresbeginn tüfteln die Museen um Leiter Stephan Sensen zusammen mit einer Fachfirma daran, den Erfinder der Jugendherberge, Richard Schirrmann, mit Hilfe der „Pepper‘s Ghost“-Technik für die Besucher zum Leben zu erwecken und seine Geschichte erzählen zu lassen.

 Eine Burg Altena 4.0, die darauf wartet, wieder von Besuchern gestürmt zu werden.

Fotos: Björn Braun

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