Altena. Das Schützenfest 2021 in Altena steht, wegen der Corona-Krise, vor der Absage. Der engere Vorstand der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft empfiehlt die Traditionsveranstaltung um ein Jahr zu verschieben. Eine Generalversammlung aller Schützen muss allerdings über die Verschiebung noch entscheiden.

Das gab Hauptmann Klaus Hesse soeben (27. Juni) in einer kurzfristig anberaumtem Pressekonferenz bekannt. Nach „langer Sitzung” und „schweren Herzens” habe sich der geschäftsführende Vorstand einstimmig dazu entschlossen, die Absage des Festes 2021 vorzuschlagen, erklärte Hesse. Den Ausschlag für diesen Vorschlag habe „die erneute rasante Corona-Entwicklung im Kreis Gütersloh” gegeben: Das Risiko eines möglichen Pandemieausbruchs nach einem Schützenfest in Altena will der Vorstand unbedingt vermeiden.

Generalversammlung im Bungern?

Eine Generalversammlung der Schützen, die laut Satzung die Entscheidung über die Absage und Verschiebung treffen muss, soll im August stattfinden. Wo und wie diese Versammlung stattfinden soll, stehe noch nicht fest; möglicherweise komme der Bungern dafür in Frage. Die Einladung zu der Generalversammlung richtet sich — theoretisch — an alle rund 2.000 Mitglieder der Gesellschaft.

Schützenhauptmann Klaus Hesse gab als Grund für die Empfehlung, das Fest zu verschieben, den langen Vorlauf an, den die Vorbereitungen in Anspruch nehmen. Zwar beginnt das eigentliche Fest erst jeweils zu Fronleichnam, also im Frühsommer; das Kränzebinden in den Zügen und Kompanien aber startet „teilweise schon Ende Februar”, so Hesse. Und „ein Fest ohne Kränzebinden hat es noch nie gegeben und gehört traditionell dazu”.

Auch ein Feiern im Zelt mit begrenzter Teilnehmerzah, 1.500 statt der zuletzt mehr als 5.000 Feiernden, mochte sich Hesse nicht wirklich vorstellen. Außerdem verwies der Hauptmann gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen auf den zeitlichen Faktor: „Wir werden im Herbst nicht schlauer sein. Und spätestens dann müssten wir entscheiden”.

Erste Absage seit der Wiedergründung

„Das Fest fällt nicht aus — wir wollen es um ein Jahr verschieben, weil wir hoffen, dass sich die Lage 2022 normalisiert hat”, ergänzte Rendant Ulrich Wirthsmann.

Eine Absage der Traditionsveranstaltung, die nur alle drei Jahre stattfindet und für den 3. Juni 2021 ansteht, wäre die erste seit der Wiedergründung der Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Schützenfest 1950. Eine Verschiebung gab es zuletzt in den 1960er-Jahren: Nach dem Fest 1965 wurde bereits nach zwei Jahren wieder gefeiert; das damals allerdings geplant um ein Jahr vorgezogene Fest 1967 war zugleich die 600-Jahr-Feier der Stadt Altena.

Bislang sind zur Eindämmung der Corona-Pandemie Großveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen bis zum 31. Oktober dieses Jahres untersagt. Deshalb hatte die Friederich-Wilhelms-Gesellschaft auch das Bungernfest, das für den 30. August geplant war, bereits abgesagt. „Ich kenne bislang keine Großveranstaltung mit einem passenden Hygienekonzept”, stellte Alexander Grass, Kompanieführer der Freiheit und Altenas Feuerwehrchef, dazu mit Blick auf ein Schützenfest fest.

Die Begründung der Absage des Schützenfestes 2021 und für die Verschiebung auf das Jahr 2022 im Wortlaut:

  • „Das Schützenfest in Altena ist eine Großveranstaltung, die eine sehr intensive Vorbereitung erfordert. Wir können mit der Unterzeichnung von Verträgen nicht mehr länger warten. Das finanzielle Risiko für die Gesellschaft wäre nicht absehbar.
  • Das Kränzebinden der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft würde bereits im Februar 2021 beginnen und könnte nach derzeitigem Stand der Dinge nicht so durchgeführt werden, wie wir das alle kennen.
  • Die Abstands- und Hygienevorschriften sind in einem Schützenzelt unserer Größenordnung aus Sicht des geschäftsführenden Vorstands nicht einhaltbar.
  • Ein Einmarsch der Schützen in das Festzelt etwa ist nach heutiger Rechtslage kaum vorstellbar, weil die Registrierung fehlen würde.
  • Wir fühlen uns für die Gesundheit unserer Schützen, der Besucher und der Bevölkerung der Stadt Altena verantwortlich. Es kann nicht sein, dass Restaurants, Bars, Geschäfte, Betriebe und Firmen unter Umständen im Anschluss an ein Fest 2021 schließen müssten, nur weil es aufgrund des Altenaer Schützenfestes zu einem Pandemieausbruch kommt.
  • Wir glauben, dass gerade ältere Schützen und Besucher aus Angst vor Corona dem Fest fernbleiben würden.
  • Die Schützen und die Altenaer Bevölkerung können das Schützenfest nicht so feiern, wie es Tradition in Altena ist. Da wir aber eine Traditions-Gesellschaft sind, müssen wir diesen Schritt gehen.
  • Der geschäftsführende Vorstand sieht sich deswegen nicht in der Lage, die umfangreichen Planungen weiter durchzuführen und bittet daher um Verständnis. Mit der Entscheidung wissen auch wir von der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft am heutigen Tag, wie sich auch andere Gesellschaften und Vereine gefühlt haben und fühlen, wenn sie ihre Feste absagen. (…) Es war eine Entscheidung, die uns allen schwer gefallen ist.”

    Ernste Mienen statt Feierlaune beim geschäftsführenden Vorstand der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft (von links nach rechts): Hauptmann Klaus Hesse, Adjuntant Jörg Nielsen, Michael Hegemann (Kompanieführer Rahmede), Schriftführer Frank Henkel, Uwe Kober (Kompanieführer Kelleramt), Fähnrich Hendrik Bierwirth, Tim Grabowski (Kompanieführer Mühlendorf), Alexander Grass (Kompanieführer Freiheit) und Rendant Ulrich Wirthsmann.
    Ernste Mienen statt Feierlaune beim geschäftsführenden Vorstand der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft (von links nach rechts): Hauptmann Klaus Hesse, Adjuntant Jörg Nielsen, Michael Hegemann (Kompanieführer Rahmede), Schriftführer Frank Henkel, Uwe Kober (Kompanieführer Kelleramt), Fähnrich Hendrik Bierwirth, Tim Grabowski (Kompanieführer Mühlendorf), Alexander Grass (Kompanieführer Freiheit) und Rendant Ulrich Wirthsmann.

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