Altena. Unzählige Handgriffe und Sitzungen, aber auch viele schöne Erlebnisse: Frank Henkel und Hendrik Bierwirth haben die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft Altena über Jahrzehnte mitgeprägt. Mit LOKALSTIMME sprechen sie über Freundschaft, Verantwortung und die Frage, was Tradition für die Zukunft bedeutet.
Wenn aus einem Hobby eine Passion wird, steckt meist mehr dahinter. Hinter dem Engagement für die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft Altena (FWG) steckt bei Frank Henkel und Hendrik Bierwirth mehr als die Liebe zum Schützenfest. „Es sind vor allem die Menschen, die Freundschaft und das Gefühl, gemeinsam etwas zu bewegen“, sind sich die beiden Männer einig. Beide haben viele Jahre im geschäftsführenden Vorstand der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft (FWG) gearbeitet. Im Gespräch mit LOKALSTIMME blicken sie auf diese Zeit zurück – auf viele besondere Momente, aber auch auf viel Arbeit und die Erkenntnis, dass es irgendwann Zeit ist, Verantwortung weiterzugeben.
„Nach 14 Jahren und knapp 10.000 Briefbögen, Einladungen, etlichen Protokollen und auch Nachrufen wird es Zeit, das Amt in jüngere Hände zu legen“, sagte Frank Henkel während der Generalversammlung der FWG im Festsaal auf Burg Altena. An diesem Abend wurde er offiziell aus seinem Amt des Schriftführers entlassen. In unserem Gespräch erklärt er: „Als Schriftführer war ich seit 2012 für die schriftlichen Angelegenheiten der Gesellschaft zuständig. Was sich hinter dieser Aufgabe verbirgt, wusste ich anfangs selbst noch nicht so genau. Ich hatte damals nicht so ganz viele Infos, was da auf mich zukam“, erinnert er sich. „Es war jede Menge Arbeit.“ Für seinen Nachfolger hat er deshalb die Übergabe sorgfältiger vorbereitet. „Der soll ja nicht gleich ins kalte Wasser springen müssen.“
Beim Kränzebinden fing alles an
Seinen Weg in die FWG fand Henkel über den Freundeskreis und das Kränzebinden bei der Kompanie Rahmede. „Ich habe regelmäßig daran teilgenommen und bin so immer stärker in das Schützenleben hineingewachsen“, erzählt er. 1982 trat Henkel der Gesellschaft bei. Drei Jahre später wurde er in den Hofstaat berufen. Eine kleine Schwierigkeit gab es allerdings: Eine Freundin hatte er damals nicht. „Das war zunächst ein Problem“, sagt der 63-Jährige mit einem Schmunzeln. „Aber das ließ sich schnell lösen, mir wurde eine Dame an die Seite gestellt.“
Henkel übernahm weitere Aufgaben, war von 1991 bis 1997 Zugführer und 2006 war Prinz Philipp an der Seite seiner Lebensgefährtin Nicole, die damals Königin wurde. Von 2009 bis 2012 leitete Henkel dann die Hofstaat-Kommission. „Diese Aufgabe hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich sie eigentlich gerne noch länger ausgeübt hätte“, sagt er. Dann kam jedoch die Anfrage, Schriftführer im geschäftsführenden Vorstand zu werden. „Da habe ich zugesagt.“
„Volles Rohr“ das erste Schützenfest gefeiert
Auch Hendrik Bierwirth ist mit der FWG groß geworden. „Ich bin 1985 im Alter von 16 Jahren eingetreten“, erzählt er. Bereits einen Monat später durfte er das Schützenfest dann zum ersten Mal als Schütze erleben – und noch dazu das Kompanieschild für die Nette tragen. Sein Vater Ulrich Bierwirth war damals Zugführer. „Ich kannte deshalb schon viele der Menschen, die die Gesellschaft geprägt haben.“ Und dieses Schützenfest feierte er dann, wie er selbst sagt, „volles Rohr“.

Das konnten Frank Henkel (l.) und Hendrik Bierwirth auch gut miteinander: einfach Spaß haben und die Geselligkeit genießen. Die Aufnahme entstand beim Schützenfest 2003. Foto: privat
Eine Laufbahn im Vorstand hatte er damals keineswegs im Sinn. „Das Schild zu tragen, fand ich toll. Mehr hatte ich zunächst gar nicht geplant“, sagt Bierwirth. Einige Jahre später sei er dann gefragt worden, ob er Fahrer für die Festumzüge des Hofstaats werden wolle. „Das hat mich gereizt und ich habe es mit großer Freude gemacht.“ Als sein Vater dann Kompanieführer wurde, kam irgendwann die Frage, ob Hendrik Zugführer in der Nette werden wolle. „Das wollte ich aber nicht.“
„Dieser Abschied fällt mir unglaublich schwer“
Dann kam das Jahr 1995 und Peter Wilhelm Schmidt wurde Fähnrich. Und er wollte Bierwirth als Zugführer an der Fahne haben. „Und diesmal habe ich Ja gesagt – die Fahne umgeht den normalen Zugführer, und man ist zu dritt.“ 1997 übernahm der damals 28-Jährige das Amt – und fand großen Gefallen daran. „Es war eine spannende Zeit und zusammen mit Bernd Vogel und Andreas Optiz bildeten wir eine geniale Truppe“, erinnert Bierwirth sich. Nach drei Jahren sollte dann für ihn eigentlich Schluss sein. Aber dann wurde er 2012 gefragt, ob er Fähnrich werden will. „Ich habe erst meine Frau gefragt. Sie wusste, wie sehr ich dieses Amt bekleiden wollte, und sie war einverstanden.“ Nach 14 Jahren auf der dritthöchsten Position des geschäftsführenden Vorstands ist nun Schluss. In seiner Abschiedsrede vor dem gesamten Vorstand der FWG machte Bierwirth keinen Hehl daraus, wie schwer ihm die Entscheidung fiel: „Dieser Abschied fällt mir unglaublich schwer. Er ist emotional und bewegt mich sehr.“

Der alte geschäftsführende Vorstand der FWG: (v.l.) Hendrik Bierwirth, Martin Schröder, Frank Henkel, Alexander Grass und Jörg Nielsen. Archivbild: Ilka Kremer
Warum also aufhören, wenn einem die Arbeit so lange Freude gemacht hat? „Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren gestiegen“, verdeutlicht Bierwirth im Gespräch mit LOKALSTIMME. Die Aufgaben seien umfangreicher und die Belastungen größer geworden. Henkel ergänzt: „Beruf, Familie und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen, wird irgendwann schwierig.“ Hinzu kämen gesundheitliche Aspekte. „Die Kraft wird auch weniger“, sagt Bierwirth. „Und neben dem Ehrenamt ist a ja auch noch der Job.“ Henkel formuliert es ähnlich: „Jetzt ist Zeit für Familie und mehr Raum für sich selbst.“
Aufhören, wenn gute Nachfolger gefunden sind
Bierwirth hat seine Entscheidung in der Abschiedsrede mit zwei einfachen Kriterien beschrieben: „Aufhören sollte man, wenn man einen guten Nachfolger gefunden hat und wenn es am schönsten ist.“ In unserem Gespräch sagt er: „Beides sehen wir erfüllt.“ Beide seien stolz auf das, was sie gemeinsam erreicht haben, und blickten gern auf ihre Arbeit zurück. „Der Abschied fiel uns nicht leicht“, sagt Bierwirth, „aber es ist kein Schritt, den wir bereuen.“ Henkel sagt dazu schlicht: „Ich bin fein damit.“ Irgendwann müsse man erkennen, dass es sinnvoll sei, Verantwortung an Jüngere weiterzugeben.
Was beide besonders an der FWG schätzen, ist ohnehin nicht allein das Amt. „Es ist das Miteinander“, sagt Henkel. „Die Freundschaft, das Vertrauen und die Gewissheit, sich aufeinander verlassen zu können, sind entscheidend.“ Das gelte für den geschäftsführenden Vorstand ebenso wie für den Gesamtvorstand. Aus dieser Erfahrung heraus formulieren sie auch einen Wunsch, der weit über den Verein hinausgeht: eine bessere Streitkultur. „Unterschiedliche Meinungen sind selbstverständlich“, sagt Bierwirth. „Man muss nicht immer einer Meinung sein und darf durchaus streiten.“ Entscheidend sei dabei aber, wie man miteinander umgehe. „Die Meinung des anderen zu akzeptieren, auch wenn man sie nicht teilt, das muss möglich bleiben.“ Ihr gemeinsamer Appell lautet deshalb: „Streiten ja – aber auf gutem Niveau.“ Respekt und Zusammenhalt dürften dabei nicht verloren gehen.
Zusammenhalt: der Schlüssel für die Zukunft
Zusammenhalt, das ist für beide auch ein Schlüssel für die Zukunft der Gesellschaft. „Die Tradition des Schützenwesens soll erhalten bleiben“, sagt Henkel. Gleichzeitig wissen die Männer, dass sich die Zeiten ändern und auch ein Verein mit langer Geschichte auf neue Anforderungen reagieren muss. „Moderne Abläufe und technische Möglichkeiten gehören für uns dazu“, erklärt Bierwirth. Das SEPA-Verfahren ist längst Teil des Alltags, eine App oder Bezahlung per PayPal könnten künftig weitere Schritte sein. „Solche Veränderungen sind sinnvoll, wenn sie helfen, die Arbeit zu erleichtern und die Gesellschaft zukunftsfähig zu halten“, sagt Henkel.
Was sich dagegen nicht verlieren soll, ist der Charakter des Schützenfestes. „Bestimmte Abläufe, die gemeinsame Feier und das Auftreten der Gesellschaft nach außen gehören für uns zur Identität der FWG“, sagt Bierwirth. Wenn die Schützen zum Beispiel bei Gastvereinen auftreten, sind der schwarze Anzug und die grüne Mütze ein Muss. „Tradition bedeutet eben nicht nur, sich an Vergangenes zu erinnern, sondern auch, Bewahrenswertes an die nächste Generation weiterzugeben.“
„Je beschissener es da draußen wird, desto wichtiger ist das“
Bierwirth brachte diese Verbundenheit in seiner Rede mit einem Satz auf den Punkt: „Die Fahne verlässt man nie so ganz!“ Auch Henkel will der Gesellschaft weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Ganz verschwinden werden wir also nicht“, sagt er. Nur die Verantwortung, die sie über viele Jahre getragen haben, liegt nun in anderen Händen. Für ihre Nachfolger Michael Funnemann als Schriftführer und Dominik Gerland als Fähnrich haben sie damit nicht nur Aufgaben übergeben, sondern auch einen Erfahrungsschatz. Und für Frank Henkel und Hendrik Bierwirth beginnt ein neuer Abschnitt: ohne die Verpflichtungen des geschäftsführenden Vorstands, mit mehr Zeit für andere Dinge und mit der Gewissheit, dass die FWG weitergeht. Denn am Ende verbindet die beiden eine Überzeugung:„ Einigkeit macht stark“, der Wahlspruch der seit 1429 das Selbstverständnis der traditionsreichen Altenaer Schützengesellschaft prägt und für den Zusammenhalt ihrer Mitglieder steht. Und Bierwirth ergänzt: „Je beschissener es da draußen wird, desto wichtiger ist das“.



