Die Kränzebinder-Kommission der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft Altena war am Freitag zu Gast im Kuhstall, denn dort trifft sich immer Zug 5 der Kompanie Kelleramt.
Fotos: Ilka Kremer
Nachrodt-Wiblingwerde/Altena. Kränzebinden in einem ehemaligen Kuhstall, das allein ist schon etwas Besonderes in der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft. Und am Freitag hatte Zug 5 der Kompanie Kelleramt dazu noch besonderen Besuch.
„Es ist schon ein bisschen aufregend, wenn die Kränzebinder-Kommission vorbeikommt, denn die schauen richtig hin“, sagte Zugführer Marvin Sassenscheidt im Gespräch mit LOKALSTIMME. Denn die Herren, die prüfen, ob das Papier gut gefaltet und geschnitten wird, hatten sich angemeldet. Was sie vorher aber nicht erwähnten: Dass sie einen prominenten Gast mitbringen.
„Ich freue mich sehr hier zu sein, und nach zwei Wochen Bundestag endlich ganz normale Leute zu sehen“, stellte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Paul Ziemiak den Kränzebindern im ehemaligen Kuhstall in Rennerde gut gelaunt und ganz nahbar vor. Da Kommissionssprecher Martin Hammerschmidt verhindert war, wurde an diesem Abend Ziemiak neben Kai Finkernagel, Björn Lönquist, Frank Rauer und Andreas Olbrich Teil der Kommission. Der Iserlohner, der seit mehr als 20 Jahren Mitglied der dortigen Schützenbrüderschaft ist, ließ sich gerne in die Traditionen der Altenaer Schützengesellschaft einweihen.
Aus ehemaligem Kuhstall wurde urige Location
Zug 5 der Kompanie Kelleramt ist der einzige in der Altenaer Schützengesellschaft, der aus Nachrodt-Wiblingwerde stammt. Insgesamt müssen die Mitglieder drei Kronen sowie einen Kranz für die Gastgeber binden. Das sind Volker Heiermann und seine Lebenspartnerin Conni. Die Idee, diesen Ort für das Kränzebinden zu nutzen, entstand aus der Not heraus. Früher traf sich dieser Zug immer in der Gaststätte Rastatt, aber die gibt es ja schon einige Jahre nicht mehr. Und auch sonst fand sich keine geeignete Location in der Doppelgemeinde, die regelmäßig so viele Gäste beherbergen und bewirten kann. Denn in der Regel nehmen rund 40 Frauen und Männer am Kränzebinden teil, am Freitag waren es sogar um die 80. So nahm Volker Heiermann kurzerhand den Pinsel in die Hand und strich die Wände seines ehemaligen Kuhstalls. Zusammen mit den anderen Schützen wurde eine Theke installiert, Tische und Stühle rein gestellt sowie ein hübsches Stilles Örtchen installiert. „Und seitdem laden Volker und Conni uns zum Kränzebinden ein“, erzählte Marvin Sassenscheidt.
Freude über Neuzugänge
Der 32-Jährige Zugführer freut sich sehr über diese Entwicklungen und auch darüber, dass sein Zug stetig wächst. Allein in den vergangenen vier Jahren konnte er 20 Neuzugänge verzeichnen – für Sassenscheidt ein klares Zeichen für den starken Zusammenhalt und die Attraktivität der Gemeinschaft. Ihn selbst treibe eben dieses Gemeinschaftsgefühl an. Zudem sei es ihm ein großes Anliegen, die Tradition nicht nur zu bewahren, sondern aktiv weiterzugeben. Besonders wichtig ist ihm dabei, dass alle Generationen zusammenkommen: Jung und Alt feiern, arbeiten und lachen gemeinsam. Zudem stellt Zug 5 aktuell mit Michael Funnemann den amtierenden Schützenkönig. Das ist bereits beim Betreten des Kuhstalls offensichtlich, denn an der Wand prangt der zerschossene Korpus des Schützenadlers, den Michael Funnemann 2023 von der Stange holte.
„Also, Larifari ist nicht!“
Auch die Herren der Kommission fühlten sich sichtlich wohl im Kuhstall. Sie mischten sich unter die Kränzebinder, hielten hier und da ein Pläuschen und schauten natürlich genau hin. Dabei ging Frank Rauer in seiner Rolle völlig auf. Mit Zollstock und weiteren Utensilien, die er aus seinem Leinenbeutel zog, kontrollierte er die einzelnen Arbeitsschritte. „Also, Larifari ist nicht! Es kommt auf höchste Präzision an“, mahnte er. Die Glanzpapierbögen müssten exakt angezeichnet, gefaltet und eingeschnitten werden, damit das Ergebnis später einwandfrei ist. Rauer betonte, dass das Papier sehr teuer sei und es viel zu schade wäre, wenn Ausschuss produziert würde.
„Ich bin wirklich von den Socken“
Und Rauer weiß, wovon er spricht: Seit 1988 ist er Mitglied der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft und nimmt gemeinsam mit seiner Frau Andrea seit vielen Jahren aktiv am Kränzebinden teil. Sein Urteil über die Arbeit von Zug 5: „Ich bin wirklich von den Socken. Ihr arbeitet sehr genau und gewissenhaft, und das gefällt uns. Und diese Gemeinschaft hier, die ist ganz, ganz toll.“
„Wir fahren nach Berlin“
Das spürte und lobte auch Paul Ziemiak, der sich über die herzliche Aufnahme freute. Ihm gefiel außerdem die Tradition des Kränzebindens sehr – so etwas gibt es in seiner Heimatstadt Iserlohn nämlich nicht. Und deswegen formulierte er folgenden Wunsch: „Es wäre toll, wenn so eine Krone im Deutschen Bundestag hängen würde“. Gewünscht, versprochen: Die Kränzebinder werden noch eine weitere Krone binden, die dann von einer Abordnung nach Berlin gebracht wird. Ziemiaks Freude darüber war groß: „Da wird der Kanzler aber Augen machen, so etwas Schönes hat er lange nicht gesehen“. Dieser Aussage folgten „Wir fahren nach Berlin“-Rufe und das gemeinsame Anstoßen mit dem traditionellen Knickebein.




































