Altena. Ein neues Kapitel regionaler Industriegeschichte soll am Freitag in Altena aufgeschlagen werden: In den Räumen der Frohn GmbH in der Nette findet die Gründungsveranstaltung der „Zukunftsschmiede Westfalen“ statt: ein Format, das Unternehmen des produzierenden Sektors und industrielle Künstliche Intelligenz (KI) zusammenführen will.
Initiator der „Zukunftsschmiede Westfalen“ ist Prof. Dr.-Ing. Jürgen Sauser aus Altena, Dozent an der Hochschule Bielefeld (HSBI), Lehrgebiet Prozess- und Informationsmanagement, und Unternehmensberater.
„Westfalen ist eine der stärksten Industrieregionen Deutschlands: Allein in Südwestfalen liegt der Anteil des produzierenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung bei 43,2 Prozent – Platz 1 in NRW“, ordnet Jürgen Sauser den Stellenwert der Industrie ein und zählt, quasi als Rückgrat der Industrie, auf: „Tausende klein- und mittelständische Unternehmen, Hunderte Hidden Champions, über eine Million Industriebeschäftigte“.
Stärke könnte sich zur Schwachstelle wandeln
Doch genau diese industrielle Stärke Westfalens mache die Region auch „besonders verwundbar“: „Schätzungen zufolge werden bis zu 60 Prozent aller Arbeitsplätze durch KI verändert, rund 40 Prozent der heutigen Kernkompetenzen von Arbeitnehmern könnten bis 2030 betroffen sein“, blickt Jürgen Sauser voraus. Gleichzeitig aber habe nur jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland bisher eine KI-Schulung erhalten. Das sei „mit die niedrigste Weiterbildungsquote“ in allen Ländern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Vereinten Nationen).
Während China KI zur Staatsstrategie erklärt habe und die USA Milliarden in KI investierten, stünden viele Mittelständler in Deutschland vor den gleichen Fragen: Wo fange ich an? Was ist für mein Unternehmen wirklich relevant? Und wie sieht mein Markt in fünf Jahren aus, wenn KI ganze Geschäftsmodelle verändert?
Industrielles KI-Labor mit echten Maschinen
Die „Zukunftsschmiede Westfalen“ soll daher die regionale Antwort auf diese Fragen werden. Am Freitag (24. April) fällt dazu der Startschuss für den „ersten unabhängigen Technologie- und Transformations-Campus für den produzierenden Mittelstand in Westfalen“.

Zum Programm der Gründungsveranstaltung gehört auch der Besuch eines menschenähnlichen Roboters. Foto: Veranstalter/Terra Robotics
Konkret soll die „Zukunftsschmiede Westfalen“ gerade den klein- und mittelständischen Unternehmen helfen, eine eigene, passgenaue Strategie für das KI-Zeitalter zu entwickeln; sie will ein „industrielles KI-Lab mit echten Maschinen und Produktionsdaten, eine Akademie mit Formaten vom Azubi bis zur Geschäftsführung, Co-Working und eine wachsende Community aus Unternehmern, Wissenschaft und Institutionen“ werden.
Auszeichnung als „Gipfelstürmer Digitalisierung“
„Es geht nicht nur um KI-Tools, sondern um die großen Fragen: Wie verändern sich Geschäftsmodelle im KI-Zeitalter? Wie entsteht eine Organisation, die Veränderung nicht als Bedrohung empfindet, sondern als Arbeitsweise verinnerlicht? Und wie nimmt man dabei die Menschen mit? Denn der Grundsatz der Zukunftsschmiede lautet: KI soll Menschen stärker machen, nicht überflüssig“, erklärt Prof. Sauser die Zusammenhänge.
Die Initiative findet bewusst bei der Frohn GmbH in Altena statt. Das mittelständische Unternehmen, das Sonderstrahlmittel für die Luftfahrt- und Automobilindustrie, für die Schmiedetechnik und die Steinindustrie sowie umweltfreundliche Stahlschrotkugeln herstellt, hat durch eine konsequente KI-Transformation nach eigenen Angaben eine Produktivitätssteigerung von 30 Prozent erzielt und wurde 2025 dafür mit dem IHK-Preis „Gipfelstürmer Digitalisierung“ der drei südwestfälischen Industrie- und Handelskammern Arnsberg, Hagen und Siegen ausgezeichnet.
Zur Gründungsveranstaltung erwarten die Organisatoren um Prof. Sauser rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Unternehmen, Industrieverbänden und Industrie- und Handelskammern. Interessierte können noch teilnehmen, eine verbindliche Anmeldung ist allerdings erforderlich. Kontaktformular unter: www.zukunftsschmiede-westfalen.de.
Die Veranstaltung: „Zukunftsschmiede Westfalen“ in der Frohn GmbH, Nettestraße 80 – 88, 58762 Altena, am Freitag, 24. April 2026. Einlass: ab 10.30 Uhr. Das Programm: 11 –16 Uhr (inkl. Mittagslunch und Networking) mit Impulsen aus Wirtschaft und Politik, einer Werksbesichtigung mit KI-Demos an den Maschinen sowie der Vorstellung des Zukunftsschmiede-Konzepts.



