Menden. Nach Vorfällen in der Region reagiert Menden: Zum Karneval startet eine Kampagne gegen K.O.-Tropfen – mit Flyern, Tests und klaren Botschaften.
Auch wenn es in den Vorjahren bislang keine konkreten Vorfälle mit K.O.-Tropfen bei Großveranstaltungen wie dem Karneval gab, ist man in Menden angesichts der Vorkommnisse auf dem Iserlohner Schützenfest alarmiert und in diesem Jahr besonders wachsam. Mit der Sensibilisierungskampagne „Vorsicht vor K.O.-Tropfen!“ möchte die Stadt in enger Zusammenarbeit mit der Karnevalsgesellschaft Kornblumenblau im Umfeld der Karnevalsveranstaltungen Besucherinnen und Besucher über die Risiken aufklären und zugleich auch Täterinnen und Täter abschrecken.
Aber nicht nur beim Karneval möchte man in Menden Aufmerksamkeit für das Thema schaffen, sondern gerade in Anbetracht auf Pfingstkirmes und auch das Stadtjubiläum, das in diesem Jahr gefeiert wird, zu einem sicheren Miteinander auf öffentlichen Veranstaltungen beitragen. Bei der Pfingstkirmes im vergangenen Jahr wurde erstmals auf die Thematik hingewiesen. Damals war es eine recht spontane Aktion. Nunmehr ist die neue Kampagne von langer Hand geplant. 1000 Flyer wurden gedruckt und verteilt.
In den Flyern, in denen auch Notfallnummern und Hilfsorganisationen für Opfer aufgelistet sind, wird noch einmal das Wichtigste zusammengefasst. Dort sind beispielsweise Symptome, die nach dem Verabreichen von K.O.-Tropfen auftreten, wie Schwindelgefühl oder plötzliche Übelkeit sowie das Gefühl der Willenlosigkeit und Einschränkungen der Beweglichkeit, aufgeführt. Des Weiteren finden Betroffene dort Tipps, was sie bei konkretem Verdacht unternehmen sollen. Ebenso ist erläutert, was K.O.-Tropfen eigentlich sind.
Wachsames Auge unter Freunden kann schützen
Außerdem wird etwas zur Tätergruppe, die leider nicht eindeutig identifiziert werden kann, genannt. Bekannte, flüchtig bekannte und fremde Personen können allesamt in Betracht kommen. Zielgruppe sind oftmals Mädchen und Frauen, aber auch Männer sind nicht gefeit vor den Substanzen. Wichtig ist, dass man sein Getränk nie unbeaufsichtigt stehen lässt und keine offenen Getränke annimmt. Hat man den Verdacht trotz aller Vorsicht betroffen zu sein, sollte man schnellstmöglich, Personal oder Freunde vor Ort informieren. Ein Ratschlag hilft immer: Achte auf dich und auf andere! Ein wachsames Auge unter Freunden kann helfen, Schlimmes zu verhindern.
In einem Pressegespräch im Rathaus informierten die Verantwortlichen über die Hintergründe, Ziele und geplanten Maßnahmen der Aktion. Das Ganze ist ein Gemeinschaftsprojekt. „Da möchten wir als Stadt mit dazu kommen“, so Bürgermeisterin Manuela Schmidt. Gemeinsam möchte man nicht die Augen vor der Problematik verschließen. K.O.-Tropfen sind laut der Verantwortlichen ein weit verbreitetes Thema, aber dennoch manchmal nicht greifbar. Viele denken, dass es in Städten wie Menden nicht passieren könne. Die Tatsache, dass das Betäubungsmittel aber überall im Internet zu beschaffen und nach dem Einsatz nur kurz nachzuweisen ist, erschweren die Problematik. Das Perfide am Einsatz der Substanz ist, dass die Opfer keinerlei Erinnerungen haben. Die sechs bis neun Stunden Blackout sorgen dann für eine psychische Belastung bei den Opfern.
Marjan Eggers von Bündnis 90/Die Grünen freut es, dass die Regierung auch tätig wird in Bezug auf K.O.-Tropfen. Soll doch das Strafmaß erhöht werden. Schließlich ist es kein Kavaliersdelikt.
MKG Kornblumenblau sieht Verantwortung für Karnevalsgäste
Ralf Hörchner, der Pressesprecher der Mendener Karnevalsgesellschaft Konrblumenblau, spricht von einer Verantwortung den Gästen im Karnevalszelt gegenüber und lobt zugleich die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt, Verein, Polizei und Sanitätsdienst vor Ort. Gemeinsam wird es Samstag und Montag an Karneval spezielle Aktionen geben. So werden vor dem Karnevalszelt Infoflyer und auch Armbänder, mit denen K.O.-Tropfen im Schnellverfahren nachgewiesen werden können, verteilt. Plakate weisen zudem auf die Kampagne und die Gefahr, die von K.O.-Tropfen ausgeht, hin. Auch die Gastronomie in der Innenstadt soll mit ins Boot geholt werden und vor Ort die Flyer auslegen. Darüber hinaus halten die Verantwortlichen für den Notfall auch Teststäbchen bereit, wenn jemand die Vermutung hat, Opfer von K.O.-Tropfen geworden zu sein.
Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Menden Heike Berkes bringt es auf den Punkt: „Ziel ist es, dass sich alle auf Veranstaltungen in Menden sicher fühlen.“ Die Kampagne ist der Auftakt zu einem Schutzkonzept, welches nach Karneval konzipiert werden soll. Beispielsweise heimische Schützenvereine haben schon Interesse signalisiert, auch gegen K.O.-Tropfen auf ihren Festivitäten anzukämpfen.
Flyer werden auch in Mendener Schulen verteilt
Bei der Stadt Menden läuft die Kampagne Hand in Hand und auch Sabrina Hünnies, Teamleiterin Sicherheit und Ordnung der Stadt Menden, steht voll und ganz dahinter. Auch das Team der Kinder- und Jugendförderung ist involviert. So wurden beispielsweise Flyer der Kampagne in Schulen verteilt.
„Wir fahren hier in Menden eine Null-Toleranz-Schiene“, unterstreicht Bürgermeisterin Manuela Schmidt. Wenn beim Karneval etwas in Richtung K.O.-Tropfen passiert, wird es direkt zur Anzeige gebracht.
Bei all den Vorsichtsmaßnahmen wollen sich die Mendener aber das Feiern nicht vermiesen lassen und fröhlich und ausgelassen die fünfte Jahreszeit begehen. Da immer mehr Menschen Opfer von K.O.-Tropfen werden, will man behutsam informieren und sensibilisieren ohne Panik zu schüren.



