Altena. Nach einigen Monaten des Übergangs wird Markus Schmidt am Samstag offiziell als Nachfolger von Stefan Brockhaus als stellvertretender Wehrleiter eingesetzt. Mit dem dann vollständigen neuen Führungsduo dürfte sich bei der Feuerwehr Altena einiges ändern.
„Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit“, zitiert Stefan Brockhaus gerne Friedrich Schiller. Mit seiner Zeit als Assistent gehörte Brockhaus insgesamt 14 Jahre lang zum Leitungsteam der Altenaer Feuerwehr. Jetzt legt der 55-Jährige sein Amt als Stellvertreter des Feuerwehr-Chefs nieder. Seinem Nachfolger, Markus Schmidt, hat er in vielen Stunden alles erklärt: Wie er diesen Job gemacht hat, welche Herausforderungen es gab, hat ihm Tipps gegeben und Tricks verraten. Aber: „Markus soll das nicht eins zu eins so weiterführen“, meint Brockhaus, „dieser Wechsel ist ja auch eine Chance, etwas zu ändern.“
Erstmals Jahresdienstbesprechung mit Anhang
Und das wollen der neue Wehrleiter Kai Spelsberg, der die Feuerwehr Altena bereits seit mehr als sieben Monaten anführt, und Markus Schmidt, der jetzt während der Jahresdienstbesprechung zu seinem Stellvertreter ernannt wird, auf jeden Fall. Änderungen hat das neue Team bei eben dieser Veranstaltung bereits vorgenommen. „Das Ganze war einfach nicht mehr zeitgemäß“, so Schmidt. So werden am Samstag zum Beispiel erstmals die Partner und Partnerinnen der Feuerwehrfrauen und -männer mit dabei sein. „Wir wollen würdigen, dass sie auf ihre Weise die Feuerwehr unterstützen, nämlich mit ihrem Verständnis für das Engagement ihrer Liebsten“, erklärt Schmidt.
Eine große und für die Arbeit der Feuerwehr sehr entscheidende Änderung, die Einrichtung des Stabsraumes, habe sich schon etabliert, berichtet Brockhaus. Und viele andere Dinge seien in Planung. Näheres dazu werde jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht öffentlich gemacht. Da hänge vieles am Brandschutzbedarfsplan, der noch ausgearbeitet und erst Mitte des dritten Quartals vorgelegt werde.
„Veränderungen werden nicht jedem schmecken“
Dass sich was entwickelt, findet der scheidende Stellvertreter wichtig und richtig. Denn mit der Zeit werde man betriebsblind, manche Dinge seien festgefahren. „Die beiden haben es drauf, das haben sie schon oft bewiesen“, geht sein Lob an Spelsberg und Schmidt. Jedoch weiß Brockhaus auch, dass die Veränderungen nicht jedem schmecken werden. Aber: „Das soll auch nicht“.
Er auf jeden Fall will sich jetzt entspannt ein wenig zurücklehnen und auf die Jüngeren vertrauen. Erhalten bleibt Brockhaus der Feuerwehr aber: Als Stadtbrandinspektor in der Löschgruppe Dahle will er bei Einsätzen auf dem Fahrzeug sitzen und das machen, was der Löschgruppenführer sagt. „Ich werde nicht der Klugscheißer sein, der alle belehrt – das ist nicht meine Art“, sagt Stefan Brockhaus. Er freue sich darauf, nicht mehr jeden Tag mit Alexander Grass, der bekanntlich 14 Jahre lang sein Wehrleiter war, telefonieren zu müssen, meint er augenzwinkernd. „Jetzt habe ich mehr Zeit, die ich sehr gut mit meinem fünfjährigen Sohn verbringen kann – langweilig wird mir bestimmt nicht“, meint der 55-Jährige. Auch weil er als Scheffe der Kompanie Kelleramt bei der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft jetzt eine neue Aufgabe in der Zelt- und Platzkommission übernommen hat.
„Viele meckern immer nur – ich übernehme Verantwortung“
Was der eine an Zeit hinzugewinnt, verliert der andere: Markus Schmidt ist selbstständiger Handwerker – ein Neun- bis Zehn-Stunden-Tag für ihn normal. Dass nun das Amt des stellvertretenden Wehrleiters hinzukommt, bereite ihm dennoch keinen Stress. Als Selbstständiger könne er viele Aufgaben für die Feuerwehr besser in den Tagesablauf integrieren als etwa ein Beschäftigter eines Unternehmens. Zudem möchte er etwas bewegen und freut sich deshalb sehr auf seine neue Aufgabe. „Viele meckern immer nur. Ich übernehme Verantwortung und versuche, das Ganze nach vorne zu bringen“, sagt der 37-Jährige.
Seine Ehefrau und die beiden Kinder sollen dabei natürlich nicht zu kurz kommen. „Hier ist ein gutes Gleichgewicht gefragt“, weiß er. Wird es mit der Feuerwehr doch einmal drubbelig, habe seine Familie dafür aber auf jeden Fall Verständnis.
Seit 2006 Mitglied der Feuerwehr Altena
Markus Schmidt ist seit 2006 Mitglied der Altenaer Feuerwehr. Sein großer Bruder und sein Vater haben es ihm vorgelebt und dann hat auch er irgendwann Gefallen daran gefunden. „An der Kameradschaft, dem Zusammenhalt. Feuerwehr, das ist einfach ein runde Sache, auch über die Stadtgrenzen hinaus“, erklärt er seine Motivation sich zu engagieren. Sein derzeitiger Dienstgrad ist Brandoberinspektor, jetzt muss er noch den Lehrgang »Stabs-Basis« absolvieren, damit er zum Stadtbrandinspektor befördert werden kann – den Lehrgang für den Leiter der Feuerwehr hat Markus Schmidt bereits erfolgreich bestanden.

Markus Schmidt und Kai Spelsberg (v. li.) sind Kameraden – im Dienst der Feuerwehr und im Privatleben. Archivfoto: Ilka Kremer
Kai Spelsberg ist für Schmidt mehr als der Chef der Feuerwehr. „Wir sind schon lange Freunde und durch die Feuerwehr haben wir eine noch engere Bindung aufgebaut. Wir können uns blind vertrauen – das ist wichtig, anders geht es auch gar nicht“, so Markus Schmidt. Denn als Leitungsteam und überhaupt bei der Feuerwehr müsse man sich auf den anderen verlassen können. „Wir sprechen eine Sprache“, was aber nicht heiße, dass die beiden nicht kontrovers diskutieren würden. „Du musst ja deine Meinung haben, aber am Ende ist es wichtig, dass wir gemeinsam eine Entscheidung treffen.“ Bei Spelsberg und Schmidt gebe es genauso wenig wie bei Grass und Brockhaus den Ersten und den Zweiten. Sondern: „Wir sind ein Team“, sagt Markus Schmidt.



